Wohlfühlgewicht und selber Nähen

Heute geht’s einmal in einem Meta-Beitrag darum, wie das Selbernähen von Kleidung Dich dabei unterstützen kann, Dich mit und in Deinem Körper wohl(er) zu fühlen.

Das Online-Magazin „Lemondays“ hat nämlich aufgerufen zur Blogparade „Wie geht das mit dem Wohlfühlgewicht ab 40 oder 50?“, und das Thema hat mich getriggert. Den ganzen Oktober lang schreiben viele unterschiedliche Frauen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven über die Gewichtsveränderungen, die die Wechseljahre mit sich bringen. Alle weiteren spannenden, insprierenden, nachdenklichen Artikel, Podcasts und Videos dieser Parade findest Du in diesem Artikel von Gela Löhr vorgestellt.

Du. Bist. Schön.

Fühlst Du Dich „zu irgendwas“? Zu dick, zu dünn, zu groß zu klein? (Im Vergleich zu wem eigentlich?) Hast Du „Affenarme“, „Hüftgold“, „Love Handles“, „Elefantenbeine“? Zu unreine Haut, sind deine Haare zu glatt, zu kraus, zu dünn, zu widerborstig? Bist du auf einem ständigen Optimierungstrip für Deinen Körper und immer am Rumnörgeln an Dir selber?

Dann ist meine erste Empfehlung für Dich: Kleb Dir ein Post-It an jeden Spiegel in Deiner Wohnung (im Badezimmer, im Vorzimmer, am Kleiderschrank…), auf dem steht: „Du bist schön!“ Denn das ist jede von uns, auf ihre ganz eigene Art und Weise. Manche Frau muss es nur ein bisschen öfter hören, bis sie es glaubt.

Du. Bist. Schön.

Das Bewusstsein für die eigene Schönheit wurzelt in der Selbstliebe, schreibt Nives Gobo. Und auch für Frauen, die sich schon gerne selber mögen, ist so ein kleines Post-It eine feine Erinnerung und zaubert häufigt ein Lächeln.

Ich hatte mein Leben lang kein Problem mit meinem Gewicht. Einfach weil mein Körper die längste Zeit so ziemlich dem gängigen Körperideal entsprach: Ein Gewicht von gleichbleibend 57 kg bei 172 cm Körpergröße. Viele würden sagen: Zu dünn. (Im Vergleich zu wem eigentlich?) Schlanke Beine und Arme, kleiner Busen, kaum Hintern. Sämtliche Konfektionskleidung Größe 36 passte mir von der Stange. Nur in den Schwangerschaften (ich habe zwei Kinder) hatte ich je um die 15 kg zugenommen, und nach den Geburten jeweils schnell wieder verloren. Milde lächelnd konnte ich sämtliche Diät-Trends links liegen lassen. Ich konnte futtern was ich wollte, ohne nennenswert Sport zu treiben, und nahm doch nicht zu. Ich höre noch die besorgten Stimmen meiner Mutter und meiner Großmutter bei den Besuchen im Elternhaus: „SCHLECHT schaust aus! Isst du eh genug?“

Beneidenswert?
Wahrscheinlich.

Seit einigen Jahren bleiben die Kalorien kleben: Jetzt sind da 10 Kilo mehr als in meinem ganzen vorigen Erwachsenenleben. Rundherum sagen alle: „Mein Gott, was hast du denn!? Du bist doch immer noch sehr schlank!“

Aber der vorher immer flache Bauch hatte sich gerundet, die alten Hosen waren beim besten Willen nicht mehr zu schließen, und wenn ich mich runterbeuge, um mir die Schnürsenkel zu binden, ist gefühlt der Bauch im Weg.

Und da war ich plötzlich ebenfalls konfrontiert mit dem bei uns verbreiteten Schönheitsideal. Via Barbie und Co. lernen kleine Mädchen und Jungs, wie die idealen Proportionen auszusehen haben. (Zum Glück gibt es Gegentrends – kennt Ihr z.B. die Anziehpuppe Lammily?)  Von den drei Lebensstadien einer Frau „The maiden, the mother and the crone“ (zu Deutsch: Die Jungfrau, die Mutter und das alte Weib) sollen wir uns möglichst immer im „jungfräulichen“ Stadium befinden, bzw. einen solchen Körper haben: burschikos dünn. Die Models auf den Laufstegen der Mode-Metropolen und zu weiten Teilen auch die Werbung führen uns das vor. Und viele Frauen orientieren sich – vor und nach Geburten, vor und nach dem Wechsel – tatsächlich an diesem jungfräulichen Schönheitsideal.

Barbie und Lammily

Falls Du den wunderbaren Film Embrace noch nicht gesehen hast – eine unbedingte Empfehlung! Eine Australierin ist nach zwei Geburten mit ihrem Körper nicht zufrieden und trainiert sich zur Bodybuilding-Meisterin hoch. Mit schierer Willenskraft.

Aber dann fragt sie sich, wozu sie sich das eigentlich antut, und kehrt zurück zu ihrem molligen Selbst. Für die Dokumentation macht sich auf eine Weltreise, bei der sie viele berührende Begegnungen mit spannenden Menschen hat und unserem wahnsinnigen Schönheitsideal auf den Grund geht.

Es ist tatsächlich absurd. Mein Körper DARF sich mit Mitte 40 und nach zwei Schwangerschaften verändern. Das tut er ja sowieso. Die Frage ist nur: Wie gehe ich mit meinem neuen Körpergefühl und mit meiner veränderten Silhouette um? Bin ich dem allem ausgeliefert oder kann ich aktiv etwas tun? (Für mich immer ganz besonders wichtig.) Dazu mehr etwas später.

Was ist dein Wohlfühlgewicht?

Mit welchem Gewicht fühlst Du Dich wohl? Und was gehört für Dich noch zum Wohlfühlen? Heike schreibt so nett: „Wohlfühlgewicht ist Gewicht, das sich bei mir wohlfühlt.“

Also grundsätzlich haben wir schon gesagt: Selbstliebe hilft ungemein. Und dann habe ich persönlich mein Wohlfühlgewicht, wenn ich eine halbe Stunde flott mit dem Rad fahren kann, ohne nennenswert außer Puste zu kommen. Und Treppen hochlaufen. Also eine gewisse Grund-Kondition gehört für mich dazu.

Vor allem fühle ich mich aber wohl, wenn mich meine Kleidung nicht zwickt und zwackt und überall einschneidet.

Wenn sich der Körper verändert, muss sich auch die Kleidung verändern. Ein Jahr lang hatte ich noch versucht, mich in meine alte Kleidung reinzuzwängen. Einerseits aus Sparsamkeit und aus ökologischen Gründen, aber auch, weil ich Shoppen wirklich hasse: Obwohl mir vieles von der Stange passt (gepasst hat), hat es doch immer EWIG gedauert, bis ich etwas fand, das meinen sehr konkreten Vorstellungen entsprochen hat. Hast du schon mal versucht, einen Rock mit weichem Gummibund aufzutreiben, der bequem ist und gleichzeitig schick aussieht? Oder einen grünen Mantel, wenn die Trendfarben gerade Babyrosa und Himmelblau sind?

Vor einigen Jahren begann ich Handarbeitsblogs zu lesen und bekam Lust, selbst einen Blog zu starten. (Die Geburtsstunde von „made with Blümchen“.) Eine völlig neue, faszinierende Welt von Bloggerinnen, Schnittmuster- und Stoffherstellerinnen und Linkparties tat sich auf! Ich hatte immer schon gerne gehandarbeitet und früher – zu Studentenzeiten – auch das eine oder andere Kleidungsstück für mich genäht. Aber kombiniert mit meinen körperlichen Veränderungen und meiner Shopping-Unlust bekam das Nähen noch einmal eine andere Dimension:

Selber Nähen ist einfach befreiend! Weil ich Modetrends und Trendfarben ignorieren kann. Ich kombiniere Material, Farbe und Schnitt genau so, wie sie mir gefallen und kann jedes Kleidungsstück für mich passend herstellen.

Farbe, Schnitt, Material?

Da habe ich beschlossen: Wenn ich schon Zeit, Energie und auch Geld hineinstecke, mir meine Kleidung selbst zu nähen, dann möchte ich, dass sie meinem Körper schmeichelt UND meine Persönlichkeit unterstützt. Dann brauche ich ein Gesamtkonzept.

Vom Göttergatten habe ich mir zu Weihnachten vor ein paar Jahren einen Gutschein für eine Farbberatung gewünscht,  Es ist tatsächlich VERBLÜFFEND, was unterschiedliche Farben ans Gesicht gehalten mit Deinem Aussehen machen. Wie die Gesichtshaut die Farbe widerspiegelt und was dann passiert: Ob die Augen und der Teint zu strahlen beginnen und man plötzlich als Ganzes leuchtet. (Bei mir die Wirkung von Dunkelbraun, Olivgrün, Dunkelorange). Oder ob man ausschaut wie ausgekotzt: graue, fahle Gesichtsfarbe, tiefe Augenringe. (Bei mir die Wirkung von Anthrazit, Hellgrau, Schwarz, die vorher meine Garderobe dominierten.)

Nach der Farbberatung habe ich alle Kleidung aussortiert, die eine nicht zu mir passende Farbe hatte und mich auch von alten, lieben aber nicht mehr passenden Stücken getrennt. Die Ordnungsexpertin Ursula schreibt darüber, wie emotional das Aussortieren von Kleidung oft ist – das kann ich nur bestätigen.

Meine Stilberatung ein paar Monate später hat gezeigt, dass ich weg vom studentisch-schlabbrig-sportlichen Jeans-und-Shirt-Look und hin zu eher geradlinigen Business-Outfits gehen sollte. Jeans dominieren immer noch meinen Alltag, aber nach und nach kommen auch neue Stücke dazu. Mit dem großen Vorteil, dass die Neuen um die Mitte nicht einschneiden, sondern das Bäuchlein bequem drunter Platz hat!

„Wer für sich näht, muß wissen, wie der eigene Körper aussieht – da hilft kein Wegschauen“ schreibt Meike in ihrem Beitrag zur Blogparade, in dem sie sich eine Taille näht. Wenn ich weiß, wie mein Körper aussieht, kann ich mir Wissen darüber aneignen, was Farben und Linienführung für die Wahrnehmung des Körpers bewirken. Welche Schnittführung gut zu welcher Körperform passt, oder besser: Welche Schnittführung ich wählen kann, damit ich eine gewisse, beabsichtigte Wirkung erreiche.

Wenn ich zum Bespiel einen eher geraden Körper mit gleich breiten Schultern und Hüften und kaum nennenswerter Taille habe (eine so genannte „H-Figur“), mir aber eine schlanke Taille à la X-Figur zaubern möchte: Dann kann ich Schultern und Hüften der Kleidung breiter machen, und automatisch wird die Taille (optisch) schmäler!

Wenn ich die Regeln kenne, kann ich sie befolgen oder gezielt brechen und meinen GANZ eigenen Stil kreieren. Das macht (mir) großen Spaß!

Seit drei Jahren habe ich jetzt – bis auf Unterwäsche und Socken – keine Kleidung mehr gekauft. Bis auf ein paar übrig gebliebene alte Stücke ist der Inhalt meines Kleiderschranks selbst genäht. Es ist nicht besonders viel, aber völlig ausreichend: Alles ist untereinander kombinierbar, passt farblich zusammen und – am wichtigsten: Die Kleidung passt zu mir und auf meinen Körper. Ich habe meine absolute Wohlfühl-Garderobe erreicht. (Applaus!)

1 Meter Schrankbreite: Das ist alles, und es reicht völlig

Befreie Dich von Modezwängen und fühl Dich wohl in Deinem Körper

Hast Du jetzt Lust bekommen, Deine Nähmaschine auszupacken? Um deinen Luxuskörper in endlich passende Kleidung zu hüllen? Wo kannst Du mehr über diese Themen erfahren?

Früher war der Blog der „Modeflüsterin“ Stephanie Grupe eine tolle kostenlose Quelle an Informationen zu Körperformen, Farbe und Stil. Aber jetzt stehen die meisten ihrer Inhalte nur mehr zahlenden Besucherinnen zur Verfügung.

Ich treibe mich mit Vorliebe auf Linkparties wie dem Me Made Mittwoch herum: Dort zeigen Hobbyschneiderinnen selbst genähte Kleidung am eigenen Körper. Da gibt es dicke, dünne, kleine, große Frauenkörper in den verschiedensten Proportionen. Für mich war das anfangs ein völlig neues Konzept, dass sich jemand, der bei weitem keine herkömmlichen Model-Maße hat, selbstbewusst vor eine Kamera stellt und sich so zeigt, wie sie ist. Aber was für ein Ansporn und was für eine Inspiration für andere! Da tauscht man sich über Schnittmuster aus, über knifflige Stellen beim Nähen, Materialien, Wirkungen. Allen diesen Frauen ist gemeinsam, das sie sich ihre Wohlfühlkleidung auf den Körper schneidern. Und vielleicht magst du ja auch?

Jetzt lass mal hören

Was bedeutet für Dich „Wohlfühlgewicht“? Wie spielt Kleidung in dein Wohlfühlgewicht hinein? (zu eng, zu weit, zu…) Hinterlass mir doch einen Kommentar unten und lass uns eine Unterhaltung starten! (Ich antworte auf alle Kommentare.)

Und wenn Dich das Thema interessiert, schau doch vorbei bei der Blogparade zum Thema „Wohlfühlgewicht“ im Lemondays-Magazin. Es ist eine sehr bunte Ansammlung von Frauen, die da mitmachen. Die Blogparade läuft noch bis 31.10.2019, täglich wächst die Sammlung um zwei Artikel. Genügend Lesefutter für die kommenden Wochen.

23 Kommentare

  1. Hallo Gabi,
    von deinem super lieben Kommentar auf meinem Blog bin ich zu dir herüber geschwappt und direkt auf diesen Post gestoßen. Tolle Aussage!
    Zum Nähen habe ich irgendwie nicht die Geduld. Eigentlich schon witzig, wenn man bedenkt, dass ich täglich zwei Stunden mit Zeichnen verbringe 😀 Aber es ist eben ein ganz anderes Medium. Ich bewundere jeden, der selbst näht oder upcyclet.

    Als kurvige Frau (damit meine ich nicht das Gewicht sondern meine Körperform) habe ich es mit Kleidung von der Stange nicht immer leicht. Irgendwas ist immer im Weg. Zu breite Schultern, zu viel Oberweite, zu schlanke Knöchel, zu viel Po, zu schlanke Taillie. Ich liebe meinen Körper. Aber ich kann auch jeden verstehen, der sich schlecht fühlt, wenn er (oder natürlich sie/x) im Laden in nichts richtig reinpasst.

    Mein Weg ist es deshalb seit jeher Kleidung die passt zu tragen, bis sie auseinander fällt. Außerdem kaufe ich nur noch Second-Hand. Die Sachen wurden nicht ausschließlich für mich hergestellt und ein Fehlkauf ist nicht so teuer.

    Was übrigens auch ganz doll hilft, wenn man lernen möchte sich selbst zu lieben: Ein Umfeld mit Menschen, die einem ehrliche Komplimente machen. Seit ich mit meinem Partner zusammen bin, akzeptiere ich mich und vergleiche ich mich nicht mehr. Es hat ein Stück gedauert, aber bald habe ich mich durch seine Augen sehen können. Mir kann es egal sein, was andere denken, weil die wichtigste Person in meinem Leben zu mir hält sara

    • Liebe Sara, ich denke ICH hätte nicht die Geduld, zwei Stunden täglich zu zeichnen. So hat jede andere Vorlieben, und es ist großartig, wenn frau DAS Ding findet, in dem sie sich ganz verlieren und die Zeit vergessen kann. Mir hat ja früher alles von der Stange gepasst, aber mein Mann zum Beispiel kommt nach jedem Hosenkauf frustriert nach Hause, weil alle Hosen, die ihm um die Mitte passen, viel zu lange Beinröhren haben. Wobei ich immer sage: Beinröhren kürzen ist besser als wenn jede Hose zu kurz wäre, weil Verlängern ist schwieriger! Schön, dass Du Deinen Körper lieben gelernt hast! lg, Gabi

  2. Sigrid Prenner

    Liebe Gabi, danke für diesen guten Post. Bei mir ist es so: mein Kleiderschrank ist groß und gerammelt voll, aber ich hab nichts zum Anziehen! Ich hatte eigentlich nie Probleme mit meiner Figur, shoppen war also keine Qual! Ich hatte immer einen flachen Bauch und hab gerne taillierte Kleider getragen. 2014 wurde ich Mamma, das hat meinen Körper natürlich verändert, ein paar Kilos sind geblieben und ein Bäuchlein und stärkere Oberarme. 2018 kam meine zweite Tochter und seitdem fühl ich mich nicht mehr wohl mit meinem Körper: die Oberarme wurden noch stärker (ich hab richtig muskulöse Oberarme vom Kindertragen!), eigentlich der gesamte Schulterbereich, und der Bauch … wie im 4. Monat! Ich hab kaum mehr ein Oberteil, das ich tragen kann. Also hab ich mir ein paar schlabberige Shirts gekauft – schrecklich, das bin einfach nicht mehr ich! Ich hoffe, dass sich das noch mal ändert! Ich will meine alten Kleider wieder tragen!! Wie du siehst, mit „annehmen und akzeptieren“ ist bei mir z.Z. nix! Zum Nähen hab ich leider keine Zeit.
    Ich bewundere deine Näharbeiten und deine Garderobe
    und schick dir liebe Grüße, Sigrid

  3. Pingback: Mit dem Besten aus zwei Welten durch die Wechseljahre | essenbelebt.at

  4. Vielen Dank für deinen schönen Beitrag. Schon irre, dass wir Näherinnen, bei so einer Blogparade die Exotinnen sind und dass ganz andere Angebote das Thema viel mehr besetzen… Es war schön, dich am Wochenende zu treffen! Bis bald Meike

    • Du hast Recht: Ernährungs-, Sexual-, Fitness-Beraterinnen dominieren die Blogparade. Der Vorteil: Vielleicht finden die Leserinnen die Beiträge der „Exotinnen“ spannend und lesen sie daher besonders gerne? 😉 Ich hab mich auch sehr gefreut, Dich zu treffen. Bis spätestens im Januar, in Bielefeld! lg, Gabi

  5. Oha, Frauen und ihr Körper Empfinden!
    Also früher war ich ne Bohnenstange. Könnte alles essen, sportlich. Klar, die Schwangerschaften veränderten den Körper, aber alles gut. Ein bisschen mehr auf den Hüften, kein Thema, genau wie Klamotten. …
    Aber jetzt mit Beginn der Wechseljahre? Der Blick morgens in den Spiegel ist manchmal nicht im, die Nacht war zu kurz und das sieht man. Meine Fälschen sind egal, mehr werdende graue Haare auch. Aber diese Augenringe?
    Was immer schwerer wird ist das ganze Hüftgold. Das geht nicht mehr weg und wenn, dauert es länger und erfordert Disziplin. Da lacht mich abends noch der Süsskran an. Und entsprechend wird es schwieriger.
    Die Konfektionsgrößen verändern sich. Also nicht nur durch die zusätzlichen Pfunde, auch werden die Modelle immer kleiner, oder seh das nur ich so. Da ist Frust vorprogrammiert! Und ich mag Shoppen gar nicht, dadurch wird es noch furchtbarer. Und ich suche immer etwas, was es dann erst später gibt, wenn ich nicht mehr mag. Also bleibt es doch meist bei Jeans. Ich habe Mal für mich selbst genäht, aber dann lange nicht und wenn würde ich mir zu gern Hosen nähen. Lange Beine, starker Po und Oberschenkel, total schwierig, ha! ich hab nicht dick geschrieben!. also auch Schnittmäßig. So hab ich s auch sein gelassen.
    Jetzt schau ich Seconds hand und verändere einfach.
    Für mich ist es wichtig, dass es auch Mal zwickt, dann weiss ich, da muss ich was tun. Eine Waage hab ich nicht, dass würde Frust auslösen. Und Frust kommt mit den Jahren, wer den nie hat, lügt! Denn der Körper verändert sich und es lässt sich trotz Versprechungen der verschiedenen Industrien nicht aufhalten. Also hilft nur, auf sich zu achten und zuzusehen, dass man nicht total aus dem Leim geht, gesund und fit zu bleiben und Klamotten zu finden, die einem gut tun, sowohl körperlich als auch mental. Bunt sag ich nur!
    Und wenn ich morgen wieder in den Spiegel schau und mich Scheisse finde, ja das gibt es, dann wird das bei Seite geschoben, kaltes Wasser in s Gesicht geschmissen und in her Stunde noch Mal geschaut, da hat sich schon vieles gebessert.
    Danke, dass Du das Thema aufgreifen!
    Schöner Beitrag.
    (Jetzt muss ich wirklich noch Mal suchen, ob ich nicht ne Marlene Jeans nähen kann, nun, ein Schnittmuster brauche ich noch und mich trauen)
    Danke Dir
    Liebe Grüße
    Nina

    • Liebe Nina, herzlichen Dank für Deinen so ausführlichen, nachdenklichen Kommentar! Genau das ist die Kunst: Den morgendlichen Blick in den Spiegel trotzdem noch zu mögen oder zumindest wohlwollend zu akzeptieren. (Und glaub nicht, dass ich darin die Großmeisterin bin. Der Weg des Akzeptierens ist das Ziel, ein immerwährender Prozess.) GENAU: Wenn die Kleidung von der Stange gar nicht an deinen Körper passt, dann ist wohl die Stangen-Mode schuld dran und nicht dein Körper. Ein klassischer Fall für Selbernähen. Marlene-Jeans, hm, dazu hab ich gerade keine Idee. Mal bei Burda online stöbern? Oder ein Forum befragen? Oder jemand wie Meike crafteln, vielleicht hat die eine Idee. Und wegen dem Trauen: Trau Dich! Es ist nur Stoff, da kann nicht viel schief gehen. Zur Not hast du ein erstes noch nicht perfekt passendes Probestück genäht, und beim zweiten Mal wird’s besser und beim dritten Mal schon fast perfekt. 😉 Ah, ich denk gerade die Ginger Jeans hab ich schon als Schnittmuster aber auch noch nicht genäht. Dazu gibt es Tutorials und viele Anleitungen zur Schnittmuster-Anpassung (denn auch das perfekt auf deinen Körper passende Schnittmuster wirst du kaum finden), ich höre viel Gutes über diesen Schnitt. Vielleicht kannst Du ihn auch zur Marlene-Hose abändern. Schlaghosen aus diesem Modell habe ich jedenfalls schon mehrere gesehen. Viel Freude und Erfolg, und lass es mich unbedingt wissen, wenn du dich an die Hose getraut hast! lg, Gabi

  6. Ein toller Post Gabi und ich liebe dieses letzte Bild von dir mit den kürzeren Haaren! Ist das neu? Ich finde irgendwie das bist ganz du! Wohlfühlgewicht … hmm … habe ich definitiv nicht, ich nehme immer wieder mal Anlauf, aber so viel ich sonst oft schaffe, da hakt es und dann schiebe ich es weg und dann hakt es noch mehr und nein, da hilft auch kein Postit über dem Spiegel. Bei mir ist das pure Verdrängungstaktik … so hat jeder seine Schwachpunkte und nähen hilft da auch nicht, weil auch da bin ich bisher gescheitert. Liebe Grüße Ingrid

    • Nein, das Bild vom Scarf Neck Cardigan ist vom Februar 2017. Vielleicht sollte ich mir überlegen, die Haare wieder zu schneiden, wenn ich so viele Komplimente drauf kriege? Aber das ist definitiv mein Schwachpunkt. Sonst bin ich ja nicht besonders eitel, aber ich liebe meine Haare LANG.
      Ich mag Dich jedenfalls genau so, wie du bist. :-* (Ich hoffe, du weißt das.)
      Liebste Grüße, Gabi

  7. Ein wunderbarer Blogpost. Danke dafür! Das Abschlussbild fasziniert mich – wie du strahlst! Diese Farben „tun“ tatsächlich etwas für dich, die kürzeren Haare sind so peppig und man spürt, dass du dich rundum wohl fühlst. So soll es sein, so schön!
    LG, Cordi

    • Dankeschön für das Kompliment fürs Abschlussbild! Haare peppig, das höre ich gerne, auch wenn ich sehr froh bin, dass sie jetzt wieder lang sind. lg, Gabi

  8. Pingback: SonntagsTop 7 #26/2019 | nealichundderdickeopa

  9. Liebe Gabi,
    ich musste die vergangenen 10 Jahre auch enorme Veränderungen an meinem Körper wahrnehmen und manchmal fiel es mir schwer, diese auch anzunehmen (v.a. wenn von außen „wohlmeinende“ Kommentare kommen…). Mein Körper hat in den vergangenen fast 50 Jahren vieles geleistet; da wäre es schon verwunderlich, wenn er sich nicht verändert hätte – nur muss ich mir das immer wieder vor Augen führen (ganz furchtbar sind Sätze wie: „heute muss man das einem Körper nicht mehr ansehen, dass er Kinder geboren hat“ – meinem sieht man das an! Und wenn ich meine Jungs anschaue, bin ich auch stolz darauf!)
    Aber was in den letzten 10 Jahren mit mir als Persönlichkeit passiert ist, war auch wichtig: zu wissen was ich kann und was nicht, mir sehr viel mehr zutrauen – denn was habe ich zu verlieren, mit mir alleine klarkommen und mein Selbstbild nicht mehr von der Meinung anderer abhängig zu machen, u.v.a. mehr. Vermutlich gehört das zusammen, diese innere und äußere Veränderung.
    Und wie froh bin ich, dass ich, wie Du auch schreibst, mir meine Kleidung selbst nähen kann. Ohne Rücksicht darauf, was gerade Mode ist, weder farblich noch schnitttechnisch. Ich finde den Satz im Kommentar von Pamela super: unseren Körper, unser Haus, mit den selbstgenähten Kleidungsstücken zu würdigen!
    Liebe Grüße
    Ines

    • Oh ja, liebe Ines, Du kannst wirklich sehr stolz auf Deine vier Jungs sein, die sind wirklich alle prachtvoll gediehen! Und schön, dass Du es ansprichst: Diese Veränderung auch der Persönlichkeit. Ich kann das total gut nachvollziehen, bei mir war’s ähnlich. Und ganz ehrlich: Ich möchte keine Dreissig mehr sein und schon gar keine Zwanzig! 🙂 Also vom Selbstbewusstsein her, von der Lebenserfahrung und der Gelassenheit. Nö. Die Gelassenheit hilft mir auch, die paar Kilo nicht so tragisch zu nehmen. Wir strahlen doch von Innen heraus, nicht wahr? lg, Gabi

  10. Liebe Gabi, das ist ein interessantes und wichtiges Thema, schön, dass du so offen darüber sprichst. Mir geht es wie dir – lange hatte ich zwar anders als du keinen „Standard“körper, aber einen flachen Bauch. Jetzt verändert sich etwas, mal sehen, wie es in den nächsten Jahren wird – aber ich finde es schön, darüber zu sprechen und sich klarzumachen, dass das ganz normale und zum Leben dazu gehörende Veränderungen sind.

    Liebe Grüße!

  11. Liebe Gabi,
    wow, was für ein toller Artikel! Ja, Frau verändert sich immerzu. Vor den Wechseljahren u.a. durch die Geburt der Kinder, das Stillen und Co. Klar bleibt da der selbstkritische Blick teilweise nicht aus á la: „Was ist denn mit meinen Haaren los? Die waren doch vor den Kindern viel voller? Und das kleine Bäuchlein war da auch nicht, oder? Und schade auch, dass der BH, der mir früher so gefallen hat nun nicht mehr passt…Kind gestillt – Brust weg, grrrrr!
    Und ich freue mich total über die Momente, in denen ich mich im Spiegel betrachte und mir denke: „Das ist schon beeindruckend, wie die Geschichte meines Lebens von meinem Körper erzählt wird und ich z.B. auch an meinen Lachfältchen etc. sehen kann, wer ich bin.“ Dieses Thema ist unfassbar faszinierend und es ist genauso wundervoll, wie du beschreibst, meinen eigenen Körper, mein „Haus“ mit den Kleidungsstücken zu würdigen, die ich wohlwollend für mich selbst genäht habe. Mit Farben, Formen und Mustern, die genau jetzt zu der Person passen, die ich gerade bin….wow!

    LG Pamela

    • Liebe Pamela, du hast da einen so wunderbaren Kommentar geschrieben, danke Dir soooo vielmals dafür! „Wie die Geschichte meines Lebens von meinem Körper erzählt wird“… dabei treibt’s mir jetzt fast die Tränen in die Augen. Danke, danke, danke. Ich finde wirklich selbst auch beeindrucken, wie das Selbernähen meine Wahrnehmung von Kleidung verändert hat. Von: „Jetzt soll ich schon wieder shoppen gehen weil jetzt eine andere Hosenform modern ist“, und die Hosenform, die mir passt und die ich mag, gerade nicht verfügbar ist (übrigens auch ein großes Thema für meinen großen Sohn, der keine Skinny Jeans tragen mag, aber andere gab’s eine Zeitlang nicht zu kaufen) hin zu: „Ich nähe mir Teile, die mir helfen zu zeigen wer ich bin.“ Von fremdbestimmt zu selbstbestimmt. DAS vor allem ist es, was ich am Selbernähen so gerne mag. Naja, mit Abstrichen halt, wenn ich doch etwas länger nach einer bestimmten Sorte Stoff suchen muss, um eine bestimmte Idee umsetzen zu können. Aber du weiß im Prinzip wahrscheinlich, was ich meine, oder? lg, Gabi

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