Stoffspielereien im Mai: Japan Inspirationen

Grafisch und sparsam

Im Mai geht es bei den Stoffspielereien um Japan, und bei meiner Tisch, ich deck Dich! Jahresaktion lautet das Mai-Motto „gefärbt“. Logisch, dass ich die beiden Themen verbinden werde. Aber das Thema Japan hat noch viel mehr zu bieten! Heute etwas Inspiration für Euch, als Motivation zum Mitmachen bei den Stoffspielereien.

Die japanischen textilen Techniken, die bei uns beliebt und bekannt sind, zeichnen sich häufig durch eine schlichte Grafik und ein reduziertes Farbspektrum aus (2-3 Farben). Beides spricht mich persönlich sehr an. Häufig sind die Motive weiß auf blauem Grund, aber sicher sind auch andere Farbkombinationen reizvoll – das wäre mal zu testen!

Färben: Shibori

Shibori japanische Batik

Shibori war im März letzen Jahres bei KaZe Thema der Stoffspielereien. Sehr spannende Experimente sind entstanden, und von einigen Teilnehmerinnen kam der Wunsch, das Thema bald zu wiederholen: Bitte sehr! Mich fasziniert ja, wie durch ganz exaktes Binden so komplexe Muster entstehen. Letztes Jahr ist sich eine Teilnahme bei mir nicht ausgegangen (östereichisch für: hat meine Zeit nicht gereicht), aber nachdem wir jetzt Zugang zu einem großen Hinterhof mit Wiese und fixen Wäscheleinen haben, werde ich dieses Mal ganz sicher das Färben draußen ausprobieren. Da ist auch die Sauerei egal. Ein Tischläufer sollte entstehen, und fade weiße Vorhänge hätte ich auch, die zur Not (falls es schief läuft) auch komplett dunkelblau eingefärbt werden können.

Ideen findet Ihr in KaZes Sammlung, oder Ihr werft mal Dr. Google und Miss Pinterest an. Ein sehr tolles Buch, das letztens Christiane Schnitt für Schnitt zu unserem Mini-Bloggerinnen-Treffen in Fürth mitbrachte, ist „Stitched Shibori“ von Jane Callender. Der Wahnsinn! Die Textilkünstlerin zeigt in diesem Technikbuch sehr ausgefeilte Muster und wie man sie herstellt.

Sticken: Sashiko

Sashiko japanische Stickerei

Bei Sashiko soll man beachten, dass der Stickstich auf der Oberseite der Arbeit länger ist als auf der Unterseite, dass die Stiche ganz gleichmäßig lang werden und dass die Stiche an Ecken normalerweise nicht aufeinander treffen sollen. Eine Herausforderung!

Ich habe mir bei der Textile Art Berlin letztes Jahr ein Starter-Paket mit vorgedrucktem Muster gekauft und ein Buch zum Thema. Das Buch aus dem Haupt Verlag („Sashiko, japanisch sticken“ von Agnès Delagne-Calvet) ist schön anzuschauen, aber – ganz ehrlich – die Muster sind jetzt nicht besonders ausgefallen, solche findet man zuhauf auch gratis im Netz. Zum Blättern und Inspirieren ist es trotzdem ganz schön.

Ein kleines Projekt, das ich auch schon länger machen möchte, sind kleine Stoff-Untersetzer (Coasters), zum Ausprobieren der Technik. Am nächsten verlängerten Wochenene fahren wir auf Kurzurlaub – vielleicht geht da ein bisschen Sticken am Schiff, das wäre schön.

(Auch Sashiko war bei den Stoffspielereien schon mal Thema, im Juli 2014 bei frifris, nur leider ist ihr Blog nicht mehr verfügbar)

Flechten: Yubinuki

Yubinuki japanische geflochtene Ringe

Irgendwann bin ich mal über diesen Blogpost von „The shishi girl“ gestolpert und war ganz fasziniert von Ringen und Reifen mit fein gewickelten Mustern. Ich habe noch keine Idee, wie das funktioniert, das muss man sich am besten im Blogpost anschauen und geduldig ausprobieren. (Aber Mareike, ich könnte mir gut vorstellen, dass diese Technik Dich anspricht!)

Edit: In den Kommentaren hat „M“ darauf hingewiesen, dass es bei http://mamercerie.blogspot.co.at (leider nicht mehr aktiv) detaillierte Anleitungen für yubinuki gibt! Tolle Seite!

Reparieren: Boro

Boro japanisches Flickwerk

Boro, die japanische Flickenkunst, geht in eine andere Richtung als die bisher genannten Techniken: Sie kommt eigentlich aus der Armut der Landbevölkerung, die sich noch aus Lumpen Kleidung zusammengestoppelt hat und diese trug (tragen musste) bis sie ihr vom Leibe fiel. Aber die Technik hat sich zur Kunstform entwickelt. Sie ist Ausdruck von sparsamem Gebrauch, zeigt aber auch, wie schön etwas Repariertes sein kann.

(Thematisch verwandt fasziniert mich das Reparieren zerbrochener Tongefäße mit Gold und Silber, genannt kintsukuroi. Philosophie: Die Gefäße sind schöner, weil sie einmal zerbrochen waren…)

Auf Pinterest taucht Boro häufig in Verbindung mit kaputten Jeans auf, aber es gab auch einmal eine Ausstellung im Museum für Ostasiatische Kunst Köln, und einen sehr lesenwerten Artikel (auf Englisch) habe ich gefunden bei 123 Nadeleis Beitrag zur Stoffspielerei Löcher.

Verpacken: Furoshiki

Furoshiki zu Taschen gebundene Tücher

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie viel dieses Verknoten von Tüchern zu Zwecken der Verpackung (für Lunchpakete oder Geschenke oder als Tasche) als Stoffspielerei hergibt. Aber ich könnte mir vorstellen, dass sich – ähnlich wie bei den Krawattenknoten im letzten Monat – eine ganz neue, faszinierende Welt öffnet, wenn man erst mal reingelinst hat.

 

Also, ihr Lieben: Ich bin schon gespannt, zu welchen Experimenten und Werken Euch das Thema inspiriert und freue mich schon sehr auf Eure Beiträge, die ich hier bei mir am Blog sammle, am Sonntag den 27. Mai 2018!

Bis dahin, macht es gut! Ich versinke wieder in Arbeit, und Kurzurlaub mit der Familie.

16 comments

  • testkommentar von gabi selber

  • Liebe Gabi, auch wenn sich eine Teilnahme für mich zeitlich nicht ausgeht, danke ich dir sehr, für diesen schönen Beitrag, hab viel gelernt. Shibori hab ich schon mal probiert, all die anderen Techniken kannte ich aber gar nicht und bin ganz fasziniert von der Schlichtheit und der ganz eigenen Eleganz der japanischen Textilien.
    Ich freue mich schon auf die Ergebnisse, Sigrid

  • Ja, ich werde mich definitiv in Stitched Shibori versuchen. Ich hab so Lust drauf, und ein Anschubser ist immer gut. Sashiko gefällt mir aber auch gut. Allerdings habe ich nur noch zehn Tage, bis die Ferien starten, ich hoffe, das geht sich aus 😉 LG Christiane

  • Liebe Gabi,
    sehr schöne Ideen – und ich habe noch etwas anderes ins Auge gefasst. Mal sehen, wie das alles wird und ob es sich ausgeht (diesen Ausdruck mag ich inzwischen sehr).
    Sei lieb gegrüßt
    Ines

    • Liebe Ines, ich bin so gespannt! Du weißt eh, dass „sich ausgehen“ zeitlich oder auch räumlich sein kann: Es ist nicht genug Zeit oder es ist nicht genug Platz. Ich kriege meine deutschen Freundinnen schon noch so weit, dass sie das alle verstehen. 😉 Liebste Grüße, ich möchte heute (endlich) über unser Mini-Bloggerinnen-Treffen berichten! Und bei Dir nachlesen, was ich letzte Woche versäumt habe. lg, Gabi

  • Liebe Gabi,
    das wird spannend! Japan ist ein tolles Thema. An Shibori und Sashiko habe ich mich ja auch schon versucht und werde das sicher wieder tun. Neben japanischen Stoffen (meine absoluten Favoriten, immer wieder!), kommt handarbeitstechnisch einfach so viel tolles aus dem Land. Von Yubinuki höre ich gerade das erste mal, sieht aber interessant aus (und nach einem Geduldsspiel).
    Liebe Grüße,
    Ronja

    • Ach ja, du hast immer soooo tolle Täschelchen mit diesen wunderbaren japanischen Stoffen; ich mag das Schlicht-Reduzierte so gerne. Wirst Du denn im Mai auch Stoffspielen? Ich würde mich sehr freuen, wenn Du mitmachst! lg, Gabi

  • Wunderbar hast du das zusammengestellt, liebe Gabi. Ein Traum! Also ich bin gespannt, worauf sich alle einlassen werden. Ich tippe bei mir auf Stickerei, aber das ganz Exakte ist ja eigentlich nicht meins… Herausforderung! Mal schauen, wie ich das hinbekomme. Ich freue mich jedenfalls sehr auf das Thema – damit könnte man glatt ein ganzes Jahr füllen!
    LG. susanne

    • Liebe Susanne, bei Boro ist die Stickerei ja nicht so exakt – das könnte Dir vielleicht besser liegen? 😉 Aber du hast Recht: Mit „Japan“ könnte man ein ganzes Jahr füllen, oder eher: Ein ganzes Leben. Um diese Batiken so wunderschön hinzubekommen wie diese Meister/innen in Japan. Schön auch, dass dort die Zeit, die man für etwas braucht, gar keine Rolle spielt. Mehr so: Der Weg ist das Ziel und der Prozess schon das Ergebnis. Irgendwann muss ich mal nach Japan. Auf textilen Spuren. Sei lieb gegrüßt, und ich bin schon sehr gespannt auf Deinen Beitrag zum Thema!

  • Na, dein Post ist schon ein toller Beitrag selbst, aber die Auswahl ist schwer. Bei mir liegt auch noch der Sashiko-Kauf der Textil-art, unbearbeitet. Da solte ich mich wohl darauf konzentrieren.Das wir bestimmt ein toller Sonntag.
    viele Grüße, Karen

    • Ja, ich bin schon so gespannt! Auch, ob vielleicht noch jemand was ganz Anderes macht, an das ich noch gar nicht gedacht habe. Es gibt ja auch so viele tolle japanische Stoffe, aus denen man was nähen könnte, Schnittmuster etc. Hach, ich freu mich schon darauf!

  • M

    Bei http://mamercerie.blogspot.co.at (leider nicht mehr aktiv) gibt es detaillierte Anleitungen für yubinuki (jon. Fingerhüte)

    • Wow! Das ist eine tolle Seite! Vielen Dank für den tollen Tipp! Yubinuki standen eigentlich auf meiner Liste ganz unten, aber jetzt… Mal schauen, was sich im Mai noch alles ausgeht.

  • Heike

    Also die Japaner haben nicht nur eine tolle Körperarbeit entwickelt, sondern auch tolle Handwerkstechniken 😉
    Furoshiki habe ich schon einige verschenkt und Yubinoki möchte ich unbedingt probieren….wenn ich ein bisserl Zeit hab.
    Liebe Grüße,
    Heike

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