Sommerhosen für die Kinder

Lässig vs. bunt

Premiere! Zum ersten Mal durfte ich was für den Sohn nähen: Er hat sich lässig-lockere Hosen zum Rumgammeln in den Ferien gewünscht. Und die Tochter hat idie Kombination von knielangen Leggings mit kurzen Hosen entdeckt.

Lässige Jogginghose für Jungs

Bis vor Kurzem habe ich nie Kinderkleidung genäht. Nun ist mir der Sohn über den Kopf gewachsen, trägt Männergrößen und war gar nicht begeistert von der Vorstellung, etwas von mir Genähtes tragen zu sollen. Als er aber den Wunsch (!) nach knielangen, weiten und bequemen Jogginghosen geäußert hat, bin ich auf die Suche nach einem geeigneten Schnittmuster bei Ines Nähzimmerplaudereien hängen geblieben, die ihre Söhne mit neuen, bequemen Hosen ausgestattet hat. Der Schnitt ist Mister Haven von Mialuna, der auch meinem großen, schlanken Sohn ausgezeichnet passt.

Der Schnitt ist recht einfach zu nähen, die Passe im Rückenteil sieht interessant aus. Weil dem Sohn ein einfaches, schwarzes oder graues Bündchen aus Rippen-Bündchenstoff nicht gefallen hat (andere waren irgendwie lokal nicht zu bekommen), habe ich das Bündchen jeweils aus dem SommerSweat der Hose zugeschnitten und einen 2 cm breiten Wäschegummi eingezogen. Auf der Innenseite des Bündchens habe ich zwei Knopflöcher genäht, durch die zusätzlich eine Kordel zur Weitenregulierung eingezogen werden könnte (Kordel außen hat dem Sohn nicht gefallen) oder aber der Gummi getauscht werden kann, falls er mürbe wird.

So haben wir heute eine Premiere am Blog: Zum ersten Mal der Sohn in der Hauptrolle! Vielleicht ist er sogar auf den Geschmack gekommen: Es könnte eventuell ein Turnbeutelchen folgen oder auch eine Sweatjacke, er ist nicht mehr so abgeneigt.

Schnitt/ Anleitung: Mister Haven in Größe M von Mialuna um 6,90 € (selbst gekauft)

Änderungen: gekürzt auf Knielänge

Material: je 80 cm Meter SommerSweat meliert „Jenna“ in blau und grau, gekauft bei Tommy und Lilly um je 15,- € (selbst bezahlt); 2 cm breiter Wäschegummi

Werkzeug: Overlock, Nähmaschine

Arbeitszeit: ca. 2,5 Stunden Zuschneiden und Nähen pro Hose, das geht flott.

Bunte Leggings für Mädchen

Für die Tochter zu nähen ist viel leichter als für den Sohn, sie hat mehr Wünsche und konkretere Vorstellungen. War sie in den letzten Sommern kaum dazu zu bewegen, etwas andereres als luftige Kleidchen anzuziehen, so hat sie diesen Sommer einen radikalen Stilwechsel vollzogen und trug bevorzugt Leggings unter kurzen Jeanshosen oder Rüschenröcken. Aber alle vorhandenen Leggings der Tochter waren am Knie durchlöchert (Billigware vom Diskonter).

Als die Tochter die Leggings zum ersten Mal stolz in der Sommerbetreuung ausführte, meinte eine Mutter zu mir: „Was? Du nähst Leggings selbst? Die gibt’s doch eh so billig beim XY. [Setze einen beliebigen Diskonter ein.] Außerdem werden die so schnell kaputt, da lohnt sich selber Nähen doch wirklich nicht!“

Erkennt ihr die Denkfalle? Die Billigleggings vom XY [setze einen beliebigen Diskonter ein] werden nämlich genau deshalb so schnell kaputt, WEIL sie so billig sind, und wenn ich sie wieder billig und zum Wegwerfen nachkaufe, bleibe ich in dem Teufelskreis der Fast Fashion. Und genau aus diesem Grund habe ich diese Leggings als Basicteile bewusst selbst genäht! Dieser Biojersey ist dicker und von besserer Qualität als der von billig gekauften Teilen und wird sicher ganz nicht so schnell durchwetzen. Vielleicht können wir die Leggings sogar noch an ein anderes Kind weitergeben.

Das soll jetzt keine Bloßstellung dieser anderen Mutter sein. Ich muss mich selbst immer wieder bei der Nase nehmen, denn dieses: „Ich kaufe lieber billig weil die Sachen werden eh so schnell kaputt“ steckt sehr in meinem Kopf drin und taucht immer wieder auf.

Susanne von mami-made macht sich häufig zum Thema Fast Fashion Gedanken. Es lohnt sich, bei ihr mitzulesen.

Schnitt/ Anleitung: Freebook LittleLegLove von nEmadA

Änderungen: gekürzt auf Knielänge. Damit man weiß wo vorne und hinten ist, habe ich hinten jeweils ein Streifchen andersfarbigen Jersey mitgenäht.

Material: je 50 cm Bio-Jersey, gekauft bei Tommy und Lilly um je 8,- € (selbst bezahlt); schmaler Wäschegummi

Werkzeug: Overlock, Nähmaschine

Arbeitszeit: 2 Stunden Zuschneiden, Nähen und Gummi einziehen für die drei Hosen! Am längsten gedauert hat das Verknoten der Fäden der Nähte mit der Doppelnadel am Saum…

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16 comments

  • Wenn man den Schnitt erst mal aufgelegt hat ist so was ja schnell genäht. Fast Fashion ist ein nachdenkenswertes Thema, ich bin mit Wiederverwertung aufgewachsen, nur ohne den Begriff. Solche einfachen Stretchhosen nähe ich nach gut passenden Hosen. Gerade wieder als Schlafanzug lang und kurz … Stoffreste.
    LG Ute

  • Die sind super!!! und ja das mit dem um die Ohren Wachsen…

  • Genau aus dem Grund Nähe ich soweit ich es schaffe und noch darf alles für meinen Sohn. Die Sachen halten ewig, heute habe ich die letzte „Kollektion“ auf dem Basar verkauft, eineinhalb Jahre ständig getragen, gewaschen, getrocknet … und doch noch schön anzufühlen und ganz. Mir gefällt die Jungshose super und auch die Leggins sehen sehr bequem aus. Liebe Grüße Ingrid

    • Das ist toll, dass Du so viel selbst nähst für Deinen Sohn, und dass die Sachen solche Qualität haben, dass Du sie auch gut noch weitergeben kannst! Das ist einfach bei den meisten gekauften Billigst-Kleidungsstücken nicht der Fall: Nach eineinhalb Jahren sind die nur mehr löchrig und für die Tonne. Bravo! Weiter so! lg, Gabi

  • Hej Gabi!
    Na bitte, eine schöne Überraschung von deinem Sohn, sich benähen zu lassen 😉 Die Hosen gefallen mir sehr gut. Auch die Leggins für deine Tochter. Ich nehme mir schon lange vor, gleich mehrere zu nähen. Aber irgendwie gehts mir dann doch immer gleich und ich bin auch in diesem Kreis…
    Ist ja nicht so, dass nicht genug Stoff da wäre. Ich bin zuversichtlich es irgendwann zu schaffen
    LG Kicki

    • Liebe Kicki, ich habe meistens wenig Lust, mehr als ein Teil auf einmal von einem Schnitt zu nähen, aber bei den Leggings war echt Bedarf da, und bei den Hosen für den Sohn auch. In verschiedenen Facebook-Foren sehe ich immer, wie manche Mütter ein Teil nach dem anderen fertigstellen, oft eine ganze Kollektion Kinderkleidung übers Wochenende. Aber mir ist das im Grunde langweilig, immer nur das Gleiche nähen. Dazu probier ich viel zu gern immer wieder neue Sachen aus! Ist natürlich hinderlich fürs viel-Produzieren… Naja, schön langsam nähern wir uns dem Ideal an. lg, Gabi

  • …. und man kann diese gefühlt winzigen Mädchenleggings aus kleinen Reststücken nähen, die dann auch noch zum zuerst genähten Shirt passen. Und wenn man schon mal das passende Garn eingefädelt hat ist das in einer viertel Stunde erledigt. Höchstens!
    Es muss ja keine komplette Kollektion sein die glücklich macht.
    🙂

    • Du hast Recht! In diesem Fall wird es umgekehrt sein: Von den 150 cm Stoffbreite ist noch jeweils etwas weniger als die Hälfte übrig geblieben und ich wollte drei Shirts daraus nähen. Die Tochter wünscht sich aber einen bunt gestreiften Rock und hat auch schon eine Skizze entworfen. (Das kommt von den „Top Model“ Malbüchern, die sie so gerne mag, bei denen mir schaudert.) Liebste Grüße von Tochter-Benäherin zu Tochter-Benäherin. (Wobei Deine letzten Werke für sie zugegebenermaßen weitaus aufwändiger sind als meine hier.)

  • Hallo Gabi!

    Deine Erklärung zum Leggings selber nähen hat mir am besten gefallen. Gerade WEIL die billigen Hosen so schnell kaputt werden… Genau so ist es nämlich bei der Sache mit den billigen Shirts/Hosen/wasauchimmer

    Ich wünsche Deinen beiden Süßen viel Freude mit den neuen Schätzen!

    lg
    Maria

    • Danke, die Freude haben/ hatten sie. Bald wird es zu kalt für die Sommersachen, aber zum zuhause rumgammeln werden sie derzeit noch gerne getragen. Und kommen dann im nächsten Sommer wieder zum Einsatz. lg, Gabi

  • Die sind toll geworden! Die kurzen Hosen habe ich auch ohne Bündchen genäht und einen Gummi eingezogen. Kordel war auch unerwünscht. Irgendwie ähneln sich die Jungs doch alle…
    Die Leggings Deiner Tochter gefallen mir auch (wenn ich auch selbst keine Leggings trage) sehr: sieht bequem aus.
    Am liebsten würde ich noch viel mehr Kleidung für uns alle nähen, aber zeitlich und motivationsmäßig schaffe ich das nicht. Im Sommer musste ich für die beiden Großen einen Schwung T-Shirts kaufen obwohl ich sie eigentlich gern genäht hätte. Aber dafür äußern sie ja immer wieder Wünsche. Daher wird es nun einen ganz schlichten Sweater in schwarz geben und für meinen Blonden einen Hoodie.
    Liebe Grüße
    Ines

    • Liebe Ines, mir geht es doch ganz gleich: Neben der Arbeit geht sich hin und wieder das eine oder andere Stück aus, aber die ganze Familie komplett mit Kleidung zu versorgen wäre bei mir unmöglich. Klar gibt es bio-faire (und dem entsprechend eher teure) Alternativen, die wir auch für uns Große nutzen. Hoffentlich hört der Sohn bald auf zu wachsen und wir können mit dem zwei Mal im Jahr größere Größen brauchen aufhören. lg, Gabi

  • gelungene hosen. alle 5! du hast absolut recht, diesen Teufelskreis kenne ich nur zu gut! ich kämpfe auch dagegen an, schaffe es aber nicht immer. seufz.
    lg kathrin

    • Ich schaff es inzwischen bei meinen eigenen Sachen ganz gut, aber ich wachse ja auch nicht mehr. (Außer vielleicht ein bisschen in die Breite. ;-)) Ich weiß, dass manche Mütter zwei Mal im Jahr die Frühlings- bzw. Herbstproduktion für ihre Kinder anwerfen, aber ich glaub diesen Luxus kann man sich eigentlich nur leisten, wenn man in Karenz oder für die Kinder zu Hause ist. Neben einem Job ist das eigentlich kaum möglich. Irgendwie muss ich immer wieder Kompromisse eingehen, schlechtes Gewissen hin oder her…

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