Bilder, Pixel, Farben, Strickschrift

Ein Strickmuster-Programm-Test

Über die Nordfrau bin ich auf das Projekt Geek-along von Latte & Llamas gestoßen. Ein Jahr lang jede Woche ein Doubleface-Quadrat stricken und zu einer großen Decke verbinden – wow! Doubleface habe ich noch nie gemacht (eine neue Herausforderung!) und beim Durchschauen der letztes Jahr veröffentlichten Muster hab ich mich sofort die Harry-Potter-Squares (Gryffindor, Slytherin, Hufflepuff, Ravenclaw) verliebt. Und da der Sohn keine Hauben trägt, aber gerne eine neue Decke zum Rumknotzen hätte, probier ich das jetzt mal.

Allerdings müssen auch eigene Squares her, weil wir mit manchen der vorhandenen Muster nichts verbinden, und uns (ihm) liebe Themen wie Despicable me (Minions!), Minecraft, Angry Birds, Matrix, Eragon, Discworld oder Drachen zähmen leicht gemacht fehlen.

Für die Strickschrift der Linzerschnitten-Hauben wollte ich ja auch eine bessere Lösung finden als handgezeichnet, und dann gibt’s da auch noch eine Idee für einen neuen gehäkelten Bistro-Vorhang für die Küche, natürlich mit eigenem Muster…

Ich hätte also gerne 2 Sachen: Ein Programm, um echte Bilder zu pixeln bzw. am besten gleich in ein möglichst farbiges strick-taugliches Raster umzuwandeln. (Wie wir bei Latte & Lamas sehen können, brauchen wir mehr Reihen als wir Maschen angeschlagen haben, damit ein Strickstück quadratisch wird – in ihrem Fall 45 Maschen und 57 Reihen. Wenn ich drüber nachdenke, wie ich das hinbekommen soll, raucht mir ganz schnell der Kopf.) Und ein zweites Programm, um Strickschriften mit Symbolen erstellen zu können. Oder halt ein Programm, das beides kann, die Ideallösung.

Klar könnte ich das alles auch „zu Fuß“ erstellen, also per Hand auf Karopapier, oder: mit einem Grafikprogramm das Bild pixeln, ausdrucken, ein Raster drüberlegen, einscannen und dann mit Excel (oder einem anderen Tabellenkalkulationsprogramm) die Karos nachzeichnen, bzw. Stricksymbole für Excel entwerfen und damit arbeiten. Aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass da nicht schon jemand was programmiert hat…

Also Google angeworfen und mal nach „Programm für Strickmuster“ gesucht. Ich hab ein paar Programme ausprobiert, hier die Ergebnisse.

Bilder rastern

knitPro 2.0

Mit dem kostenlosen Online-Tool knitPro kann man sehr simpel wahlweise eine Strick-, Häkel- oder Kreuzstich-Mustervorlage aus einem hochgeladenen Bild generieren. Das Programm berücksichtigt dabei angeblich, dass man mehr Reihen stricken muss als man als Maschen auf der Nadel hat, und man kann für die Ausgabe des Bildes zwischen drei Rastergrößen wählen (48 breit x 64 hoch, 96×120 und 120×160).

Das Umwandeln funktionierte eigentlich ganz gut, das Programm hat aber mit meiner Vorlage immer nur ein Raster ausgegeben, das zu wenig Reihen hatte (z.B. 45 x 45).

Gru_45x45

Ich brauche für den Gru aus Despicable me genau 45 Maschen x 57 Reihen, damit die Größe meiner Quadrate später mit denen zusammenpasst, die ich von Latte & Llamas übernehmen möchte. Ich hab mit verschiedenen Größen der Vorlage herumprobiert (Bilder zuschneiden tu ich am liebsten mit dem ebenfalls kostenlosen Online-Programm Pixlr), bin aber leider zu keinem vernünftigen Ergebnis für meine Zwecke gekommen.

Mir ist auch aufgefallen, dass die Raster-Rechtecke höher sind als breit – dabei müssten sie eigentlich breiter sein als hoch, um dem „Schwund“ in der Höhe beim Stricken Rechnung zu tragen (wisst Ihr, was ich meine?).

Trotzdem behalte ich dieses Programm in meinen Favoriten, für wenn ich mal nicht so genaue Maße brauche.

Strickmuster 1.0

Auch Strickmuster 1.0 verspricht das Errechnen von Strickmustern aus Fotos. Die Testversion ist gratis, die Vollversion kostet 10,20 €. Das Ergebnis begeistert mich allerdings weniger als das von knitPro 2.0. Ich hatte „Farben von Vorlage übernehmen“ eingestellt, und das Ergebnis war dieses:

Strickmuster1.0_Test

Hier sind die Kästchen breiter als hoch, das wäre also schon gar nicht mal schlecht. Aber das mit den Farben hat ja nicht so geklappt *hüstel*. Version 1.0 der Software – da gibt’s wohl noch einiges zu verbessern…

Strickschrift mit Symbolen erstellen

Intwined Pattern Studio

Latte & Llamas nützen für ihre Strickmuster das kostenpflichtige Programm Intwined Pattern Studio (gibt’s für Windows und Mac um schlappe 44,- US$, derzeit rund 39,- €)… Hmmm.

Das Programm hat unglaublich viele vordefinierte Symbole für Stricken, Sticken und Häkeln (ist also sehr flexibel!), und generiert gleichzeitig mit dem Chart eine schriftliche Anleitung. Man kann auch eigene Maschen bzw. Zopfmuster etc. definieren. Im Demo-Video wirkt das alles recht einfach zu bedienen und gut an die eigenen Bedürfnisse anpassbar, mit beeindruckendem Endergebnis.

IntwinedStudio_Test

Man kann Symbole und die Hintergrundfarbe eines Kästchens separat definieren und sogar Fotos allfälliger Schaustücke in die Anleitung hochladen. Allerdings alles auf Englisch, da müsste ich wohl selbst Hand anlegen und eine deutsche Übersetzung anfertigen, wenn ich meine Strickmuster nicht auf Englisch zur Verfügung stellen will. Oder mal beim Entwickler anfragen, ob es bereits deutsche Übersetzungen von Symbolgruppen gibt.

Leider bietet die Firma keine kostenlose, zeitlich begrenzte Testversion, sonst hätte ich das glatt sofort ausprobiert. Eigentlich gebe ich für vernünftige, brauchbare Software ja gerne Geld aus. (Die Entwickler sollen schließlich auch von was leben können.) Aber bevor ich diese Investition hier tätige, recherchiere ich erst mal noch weiter…

Strickschrift-Designer 1.0

Vom selben Anbieter wie Strickmuster 1.0, verspricht Strickschrift-Designer 1.0 einen ähnlichen Funktionsumfang wie Intwined Pattern Studio: Strickmuster entwerfen, eigene Symbole anpassen, Freitext und Legende der verwendeten Symbole einfügen und dann alles exportieren (außer: Fotos einfügen). Die Testversion ist kostenlos, für die Vollversion wollen die Entwickler 19,99 €.

Strickschrift1.0_Test

Sieht eigentlich ganz gut aus. Es gibt keine „rückgängig“-Funktion, falsche Einträge kann man aber durch Einfügen rechter Maschen = leeres Feld wieder löschen. Im Vergleich zu Intwined Pattern Studio gibt’s hier nur recht wenige vordefinierte, grundlegende Symbole, und man kann sich keine Hintergrundfarben aussuchen. Man könnte sicherlich eigene Symbole mit bestimmten Farben definieren (d.h. ein Bild für jede Farbe hochladen), die Lösung mit eingebundener Farbpalette zum Aussuchen der Hintergrundfarbe in Intwined Pattern Studio ist aber eindeutig eleganter.

Dafür ist Strickschrift-Designer auf Deutsch, und nachdem es sich um die Version 1.0 der Software handelt, lohnt es sich wahrscheinlich, immer mal wieder dort vorbeizuschauen, um nach verbesserten Versionen Ausschau zu halten. (Einen weiteren Test dieser Software gibt’s hier zum Nachlesen.)

Knit Design Studio

Knit Design Studio ist ein kostenloses Programm für Windows. Die Informationen auf der Homepage sind ziemlich dürftig, kein Anleitungs-Video und so. Aber mal heruntergeladen und installiert. So. Und jetzt bin ich total überfordert mit den eingeblendeten englischen Erklärungen, wenn ich mit der Maus über eines der Stricksymbole in der Menüleiste gehe. Was zum Teufel bedeutet zum Beispiel „sl2-k1-p2sso“? Oh Mann, mein Englisch ist zwar gut, aber das Strick-Fachvokabular ist leider noch nicht vorhanden. (Das gilt eigentlich auch für Intwined Pattern Studio.) Soweit ich das beim ersten Testen gesehen habe, kann man auch keine Farben für die Kästchen vergeben, und keine eigenen Symbole definieren.

KnitDesignStudio_Test

Fazit: Wahrscheinlich ganz brauchbar, wenn man ein Strickmuster in nur einer Farbe zeichnen will und sich mit dem Fachvokabular auseinandersetzt. Mir ist das jetzt zu mühsam, ich hab das Programm wieder gelöscht.

Chart Creator

Ebenfalls kostenloses Online-Tool, noch simpler als Knit Design Studio. Wahrscheinlich für ganz einfache Projekte ausreichend, allerdings besteht für mich wieder das Problem mit dem englischen Fachvokabular, und man muss die Angaben für die einzelnen Maschen eintippen und kann sie nicht bequem per Mausklick einfügen.

ChartCreator_Test

Erst wenn alles fertig ist, kann man sich das Muster als PDF ausgeben lassen. Sehr intuitiv finde ich das nun ehrlich gesagt nicht. Fliegt ebenfalls von der Liste der Möglichkeiten.

Hmm… Wie macht eigentlich Elizzza ihre Strickmuster? Mal fragen, vielleicht antwortet sie ja.

Edit: Elizzza hat geantwortet! Sie entwirft ihre Strickmuster in Excel, mit einer Zeichen-Schrift.

So, und nachdem ich jetzt noch auf diese Seite mit an die 80 Links auf Programme für Stricken, Sticken, Patchwork u.a. gestoßen bin, fühle ich mich gelinde überfordert von der schieren Masse und lasse das Testen für heute gut sein.

Hat von Euch schon mal jemand eigene Muster erstellt und wenn ja, welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Ich freue mich auf Eure Berichte in den Kommentaren!

Update: Farbige Kästchen mit Excel

Auf das Kommentar von Saba, hier zusätzlich eine Anleitung fürs bunte Kästchen malen mit Excel (geht natürlich auch mit einem anderen Tabellenkalkulations-Programm Deiner Wahl). Ich habe Word für Mac, falls du eine andere Word-Version verwendest, kann es sein, dass Deine Menüführung anders aussieht (Word ist ja wirklich gut gut darin, bei jeder Version die Funktionen wieder anderswo zu verstecken…).

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10 comments

  • Hallo Gabi. Danke für diese Zuammenstellung, ich bin auch grade auf der Suche nach Strickprogrammen. Viel mehr würd ich aber ein brauchbares Programm für Häkelschrift brauchen. Vielleicht hast du ja einen Tipp oder auch mal Lust was zu testen?

    Ich hab die letzten beiden Strick/Häkelschriften mit einer Tabelle im Word gemacht. Wahrscheinlich mega umständlich, aber mir viel nix anderes ein. Höhe und Breite gleich eingestellt, und dann die einzelnen Kästchen eingefärbt. Funktioniert ganz gut für Lochmuster oder eben Stickmuster im Maschenstich zum nachträglichen Aufsticken.

    Liebe Grüße, Daniela

    • Nein, leider, für Häkelmuster ist mir noch nichts über den Weg gelaufen, ich habe aber auch nicht recherchiert. Vielleicht mache ich das mal, und vielleicht mache ich auch mal ein Update des Strickmuster-Programm-Tests. (Das ist einer der beliebtesten Posts hier am Blog.) Ob in Word oder Excel ist wahrscheinlich beides gleich umständlich… Schaun ma mal. Wenn Du was Brauchbares findest, sagst du’s mir? Das würde mich interessieren. lg, Gabi

      • Als Häkelschrift kannst du dir StitchinCrochet besorgen. Ist zwar kostenpflichtig, hält sich mit 2,50 Euro oder so aber in Grenzen. Grenzen hat allerdings auch die Schrift. Die Tastatur wird dabei, ähnlich wie bei Windings, mit Häkelsymbolen belegt. Die gängigsten sind zwar da, aber längst sich alles, was einem im Häkelalltag so über den Weg läuft. Mithilfe eines kostenlosen Tools (Name ist mir leider entfallen) oder Gimp kann man damit angeblich auch runde Häkelschriften erstellen. War mir bislang allerdings zu mühsam…

        LG, Daniela

        • Ah, danke für den Hinweis Daniela! Ich hab eh das Gefühl, dieser Beitrag (immerhin schon fast zwei Jahre alt) könnte man ein Update brauchen. Mal sehen, was sich am Strickprogramm-Markt inzwischen getan hat. lg, Gabi

  • saba

    hallo Gabi,
    … die seite mit den 80 programmen kannst du gleich vergessen: die ist uralt, alle links, die ich probiert habe, sind „tot“.

    ich bin auf der suche nach etwas ganz einfachem auf deine seite geraten: ich brauche eigentlich nur ein programm, mit dem man farbmuster entwerfen kann, d.h.: kästchen verschieden einfärben. ich male immer noch mit buntstiften auf kariertem papier – das kanns doch nicht sein?

    „Intwined“ (danke für die rezension!) scheint mir viel zu überkandidelt für meine zwecke; ich will ja gar keine anleitungen machen, sondern eben nur die v.a. jacquard-muster.

    falls du da etwas weißt oder darauf stößt, bitte danke um info … und umgekehrt melde ich mich auch, falls ich was für dich interessantes finde.

    • Hallo Saba,
      Danke für Deinen Kommentar!
      Wenn du nur farbige Kästchen brauchst: Hast du’s schon mit einem Tabellenkalkulations-Programm wie Excel versucht? Eine Beschreibung habe ich oben am Ende des Artikels eingefügt. Ist das was für Dich?
      Ich habe bisher auch mit Buntstiften auf kariertem Papier gezeichnet. Ist halt dumm, wenn ich mich im Muster vertue und dann mittels Tipp-Ex Kästchen wieder löschen muss… Zumindest das Ausbessern wird durch Excel vereinfacht.
      Liebe Grüße, Gabi

      • Fia

        Meine Güte, genau so etwas suche ich eigentlich auch noch für Zopfmustercharts!
        Für FairIsle benutze ich Excel. Ich passe die breite/Höhe der Kästchen an, und dann nutze ich die Funktion „bedingte Formatierung“ und sage dem Programm dass alle Kästchen mit einer 1 schwarz sein sollen, alle mit einer 2 rot usw.
        Das sind wohl die Nachwirkungen des Wirtschaftsstudiums und der ehemaligen excelkarriere 🤓

        • Hey, danke für den Hinweis auf die „bedingte Formatierung“, davon habe ich glaube ich schon mal wo gelesen, es aber noch nicht ausprobiert. Ich habe mir „intwined pattern studio“ ja inzwischen gekauft und für die Muster der Doubleface-Decke im Einsatz. Das funktioniert ganz fein. Mit den Zopfmuster-Symbolen des Programms bin ich nicht sehr zufrieden, die sind einfach ungewohnt für mich. Aber bei so viele unterschiedlichen Strickschriften vielleicht trotzdem mainstream, nur ich kannte sie nicht? Wie ist denn das: Hast du einen Überblick darüber, wie viele verschiedene Strickschriften in Europa und USA verwendet werden? Und gibt es zwei oder drei, die Standard sind oder gar nicht? lg, Gabi

          • Fia

            Also ich dachte das wären relativ allgemeine „Zopfchartsymbole“? Bisher habe ich aber noch nie so genau darüber nachgedacht. Ich wollte mir jetzt schon eigene Symbole basteln und dann bei Excel als Schrift einfügen. Offenbar geht es aber einfacher 😉
            Hast du für die Doublefacedecke dann zwei Charts oder liest du einmal von rechts nach links und dann von links nach rechts?

          • Hm, ich kenne jetzt zumindest zwei verschiedene Symbolsysteme, habe aber den Eindruck, da gibt’s noch mehr Notationen. Bin mir aber nicht sicher, das erfordert noch mehr gründliche Recherche. Ich habe für die Doubleface nur ein Chart (zu finden bei den jeweiligen Motiv-Seiten der Strickdecke) und lese abwechselnd von rechts nach links und von links nach rechts. Wobei ich die Chart (das Chart? den Chart?) außerdem nur im „Positiv“ mache. D.h. bei den Rückreihen (gerade Reihennummer) muss man von links nach rechts lesen und auch noch die Farben im Kopf invertieren… Für mich ist das einfach, ich habe aber auch schon mal in diesem Video von Elizza (relativ zu Beginn) gesehen, dass sie ihre Charts in beiden Varianten anbietet: Einmal nur Positiv, und einmal abwechselnd Hin- und Rückreihen wie man sie wirklich stricken muss. Ist wahrscheinlich Geschmacksache.

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