Stoffspielereien im Juni: schwarz-weiß

Blackwork, Knöpfe und Schattierungen

Herzlich willkommen zu den Stoffspielereien bei Lucy zum Thema „schwarz/weiß“. Dieses Mal habe ich mit mehreren Sachen gespielt: Blackwork-Stickerei, weißen und schwarzen Knöpfen und einem Versuch mit Schattierungen.

Schwarz-weiß als zwei Extreme und großer Kontrast. Die Nicht-Farben stehen an den gegenübergesetzten Enden einer Skala, dazwischen ergeben sich – je nach Mischungsverhältnis – Abstufungen von Grau. Auf meiner Pinterest Seite „black and white“ habe ich zunächst Ideen zum Thema gesammelt, mich nicht entscheiden können und dann einiges ausprobiert.

Blackwork

Blackwork ist eine sehr alte Form der gezählten Stickerei: Geometrische Muster werden auf einem gleichmäßig gewebten Stoff über zwei, drei oder vier Fäden gestickt. Charakteristisch für Blackwork sind die sich wiederholenden geometischen Muster, der Faden muss aber nicht notwendigerweise schwarz sein, sondern darf auch farbig sein. Für einen kurzen historischen Einblick und Hinweise zur Technik fand ich diesen Artikel von Nordic Needle hilfreich, und string or nothing hat ein Freebook mit über 200 Füllmustern veröffentlicht, eine ganz tolle Ressource! Auf meiner Pinterest-Seite „Sticken“ habe ich weitere Ideen zu Blackwork gesammelt.

Ich habe mir einfach ein Muster von Pinterest geschnappt und drauflos probiert. Mit einem Nähgarn, da wir unterwegs waren und ich das Stickgarn zu Hause vergessen hatte. (Das Stickbild ist jetzt nicht so hübsch gleichmäßig wie mit einem richtigen Baumwoll-Stickgarn, aber beim nächsten Mal weiß ich es.) Wie beim Kreuzstich soll man auch bei Blackwork einen Weg durch das Muster finden und zunächst eine Hälfte der Stiche hin, dann die andere Hälfte retour sticken. Bei dem Muster, das ich mir ausgesucht habe, fand ich dieses „Einen-Weg-Finden“ durch die Unterteilung in Musterkästchen recht einfach – auch wenn das Muster komplex aussieht und ich zunächst ratlos war. Einfach tun! Gut fand ich die Empfehlung, zunächst die Umrandung zu sticken und diese vordefinierte Fläche dann zu füllen.

Das geht recht flott von der Hand, finde ich eine nette Beschäftigung auch für Zwischendurch und Unterwegs, weil man kleine, definierte Happen sticken kann.

Kontrast und Schattierung

Dann habe ich verschiedene schwarz-weiß Kontraste ausprobiert. Da wären einerseits die Knöpfe, bei denen ich feststellen musste, dass ich viel mehr weiße als schwarze Knöpfe besitze, vor allem kleine, und dass die wenigsten meiner weißen Knöpfe wirklich weiß sondern vielmehr weiß-vergilbt sind. Das Thema ist hier „schwarzes Schaf – weißes Schaf“, jeweils auf weißem und schwarzem Untergrund.

Die beiden Varianten mit schwarzem Hintergrund gefallen mir am besten, die werden festgenäht.

Eine weitere Idee war ein „Himmel und Hölle“ Hüpfspiel in weiß auf schwarzem Hintergrund zu sticken. Ich habe mich noch nicht für einen Stickstich entschieden. Ich würde gerne die verwischte Kreide-Struktur beibehalten, aber vielleicht geht das nur, wenn ich die Linien gezeichnet lasse? Oder ein ganz flauschiges Garn verwende?

Würfel klassisch schwarz-weiß.

Schwarz-weiß ist ein krasser Gegensatz, als ob es nur das Eine oder das Andere gäbe, Borderline. Ich versuche aber immer auch das Dazwischen zu denken, selten ist etwas nur gut oder schlecht.

Sehr gerne mag ich den Effekt, wenn Hügel in der Dämmerung mit zunehmender Entfernung immer heller wirken. Diesen Effekt und diese Stimmung habe ich versucht, auf einem Stück Stoff, mit dem was meine Stoffreserven hergaben, einzufangen. (Daher nicht nur grau sondern auch etwas sandfarben.)

Der schwarz-weiße Reißverschluss ist einfach eine Hälfte eines weißen und eine Hälfte eines schwarzen Endlos-Reißverschlusses kombiniert.

Für das Futter dieses Mäppchens habe ich das Grasgrün der Hügel im hellen Sonnenlicht gewählt.

Auch aus den anderen Experimenten werden solche kleinen Stiftemäppchen entstehen. Dazu habe ich noch ein geschenktes schwarz-weißes Zebra-Kunstfell zu Hause herumliegen, von dem ich bislang nicht wusste, was draus werden soll – aber jetzt weiß ich’s!

Das war ein extrem inspirierendes und ergiebiges Stoffspielereien-Thema für mich. Danke, liebe Constanze, fürs Vorschlagen und fürs Sammeln der heutigen Beiträge. Schaut rüber zu ihr, das lohnt sich sicher wieder sehr!

Die Stoffspielereien

Der nächste Treffpunkt ist am 24. September 2017 zum Thema „Von der Natur inspiriert“ bei Siebensachen.

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken gesammelt – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien findet Ihr bei „Siebensachen zum Selbermachen“. Meine Beiträge zu den Stoffspielereien sind hier versammelt.

Die nächsten Termine:

  • Im Juli und August ist Sommerpause
  • Am 24. September sammelt Siebensachen zum Thema „Von der Natur inspiriert“
  • Am 29. Oktober geht es bei Ute um „Fäden auf Farbe“

16 comments

  • Liebe Gabi,

    da hast Du ja viel ausprobiert, auch wenn die zündende Idee noch nciht so richtig dabei war. Die idee mit dem geteilt-fabrigen Reißverschluss finde ich reißvoll – pardon reizvoll. Und auch die Landschaft gefällt mir sehr gut. Das Projekt gefällt mir von allen am Besten. Aber das liegt sicher daran, dass es eben keinen schwarz-weiß Kontrast hat. Denn der Übergang ist mir einfach zu hart. Die Umsetzung mit den Würfeln finde ich aber auch gut. ich sehe vor meinem geistigen Auge einen Stoffwürfel mit Knöpfen für die Kinder. Der ist wenigstens nicht so laut auf dem Tisch.

    LG Mareike

    • Großartig weitergedacht, liebe Mareike, ein Stoffwürfel. Ich würde meinen Ehrgeiz einsetzen, die Ecken des Würfels möglichst rund hinzubekommen, hmmm… Die Landschaft mag ich aber auch sehr gern, die erzeugt bei mir ein gewisses Fernweh. lg, Gabi

  • So viele schöne Ideen! Mir gefällt das Blackwork sehr (ui, was für eine Arbeit…), aber am lustigsten sind Deine Knopf-Experimente. Ich wüsste gar nicht, welche Variante ich am besten finde.

    Liebe Grüße!

    • Danke liebe Mond! Da fällt mir grade ein, dass ich mich ja auch selber mit dem Gestickten bei meiner handgestickt Linkparty verlinken sollte… lg, Gabi

  • Ui, gleich mehrere Arbeiten zu diesem Thema. eigentlich alles sehr gelungen und ansprechend. Blackwork werde ich mir nun genauer anschauen – noch nie etwas davon gehört, klingt aber sehr interessant.
    LG
    Siebensachen

    • Liebe Siebensachen, das finde ich jetzt wiederum sehr interessant, dass so vielen von Euch Blackwork unbekannt war. Aber freut mich, wenn ich Anregungen geben konnte! lg, Gabi

  • Wow, so viele Techniken hast du ausprobierst! Besonders gut gefallen mir die knopfspielereien mit den Schäfchen und das Experiment mit den Hügeln … erinnert mich an zuhause im Allgäu! Liebe Grüße Ingrid

    • Liebe Ingrid, das ist ja eine nette Assoziation zu den Knöpfen! Bei dem Thema bin ich sofort angesprungen, dazu ist mir viel eingefallen. Ich brauche auch ein paar Täschchen als Geschenke für den Schulschluss, dafür kann ich die Experimente gleich verarbeiten. lg, Gabi

  • Du hast ja wirklich viele probiert,Hut ab ! Sehr interessant diese Art zu sticken. So etwas Ähnliches kannte ich, aber das alles auch einen Namen hat, war mir nicht bekannt! Mir gefällt die schwarze-Knopfvariante unten rechts am besten.
    Täschchen kannn man immer gebrauchen, nur zu, im ersten Stoffspielerjahr habe ich aus jedem Experiment eine Tasche gemacht.
    viele Grüße, Karen

    • Das Blackwork ist wirklich dem Kreuzstich nicht ganz unähnlich, auch wenn es eine andere Geschichte hat. Die Täschchen werde ich gar nicht selbst behalten sondern in nächster Zeit gleich ein paar verschenken, das passt gut! lg, Gabi

  • Liebe Gabi,
    das sind tolle Ideen. Von „Blackwork“ hatte ich noch nie gehört – gefällt mir aber sehr ! Und die weißen Würfel mit den schwarzen Knopfaugen finde ich eine lustige kreative Idee.
    Deine Hügeltasche erzeugt echt die Wirkung von Ferne – lauter gute Ideen, die Du da zeigst.
    Liebe Grüße
    Ines

    • Danke, Ines! Ich muss dann noch einen Post mit den fertigen Täschchen zeigen, ich freu mich auch schon sehr auf die mit dem Zebrastoff, den ich nicht zum Fotografieren dabei hatte. Für die Fernwirkung hätte es mir noch besser gefallen, wenn die Graustufen besser zueinander abgestuft gewesen wären. Aber dafür müsste ich exakt farblich aufeinander abgestimmte Patchworkstoffe kaufen – vielleicht tu ich das auch noch! lg, Gabi

  • Sticken ist eine wunderbare Beschäftigung für Unterwegs und im Urlaub. Perfekt für deine langen Bahnfahrten, oder?
    (Hier habe ich auch viel mehr weiße als schwarze Knöpfe, vor allem in dieser Hemdengröße 🙂 )

    • Ja, Sticken geht gut im Zug. Besser als Klöppeln jedenfalls. Stimmt, bei mir sind auch die meisten weißen Knöpfe offensichtlich von Hemden. lg, Gabi

  • Suschna

    Na, da hast du ja eine Menge Ideen gehabt! Blackwork interessiert mich am meisten, vor allem, weil das so mittelalterlich und gleichzeitig so modern ist.
    Interessant finde ich ja, dass die Frage nach dem „Dazwischen“ bei den Beiträgen mehrfach auftaucht, man macht sich schon so seine Gedanken beim Sticheln zu dem Thema. Einen schönen Restsonntag noch, und gute Rückreise!

    • Ja, du hast Recht: Durch seine strikt grafischen Muster ist Blackwork gleichzeitig brandaktuell!
      Ich freu mich sehr, dass unser Mini-Treffen und Kennenlernen geklappt hat. Ich bin inzwischen wieder zu Hause angekommen, aber noch ganz erfüllt von der Berlin-Reise. Der Sonntag war auch noch sehr spannend, mit vielen guten Gesprächen. lg, Gabi

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