Ein neuer Polster fürs Lastenrad

Oder: Wachstuch nähen ist ein Krampf

Wir haben ja dieses fantastische Lasten E-Bike. Nur leider war die hübsche Sitzauflage schon nach einem Jahr ausführlichen Gebrauchs durch einen Kinder-Hintern komplett zerschlissen. Sehr unschön. Da muss die Nähmaschine ran.

Babboe-Sitzpolster-1-kaputt Babboe-Sitzpolster-2-kaputt2

Beim Happy Home habe ich ein Wachstuch in grün mit Sternen erworben (grün passt auch super zum Corporate Design der Firma), den Schnitt habe ich vom vorhandenen Sitzpolster abgenommen, den Schaumstoffpolster und die Klettverschlüsse habe ich wiederverwendet. Die Arbeitschritte sind fürs Nachnähen von vielen Dingen geeignet.

Schritt 1: Schnitt abnehmen

Trenne den alten Sitzpolster komplett auf. Am besten Naht für Naht. Schau dir dabei genau an und notiere, wie die Teile zusammengehören, damit du dir später beim Zusammennähen leichter tust. Ich mache mir meistens eine Skizze und dazu ein paar Sätze, das finde ich hilfreich. Oder ein paar Fotos. Die brauche ich nicht nur zum Dokumentieren, sondern ich schaue mir die Fotos an, wenn ich nicht mehr genau weiß, wie das vorher war. Zum Beispiel bei der Ecke des Sitzpolsters:

Babboe-Sitzpolster-3-Ecke

Die Ecke des Sitzpolsters vor dem Auftrennen

Babboe-Sitzpolster-4-Ecke-offen

Die Ecke nach dem Auftrennen, auseinandergedrückt.

Babboe-Sitzpolster-5-Schnitt-abnehmen

Den aufgetrennten, flachgedrückten Überzug auf dem Wachstuch abzeichnen.

Der Schnitt abzeichnen ist dann easy. Du solltest dir nur vorher überlegen, mit wie viel Nahtzugabe du nähen möchtest, dann zeichne so viel Nahtzugabe ein, wie du brauchst – mehr oder weniger als beim Original. Beim Auseinandernehmen habe ich gesehen, dass kleine Ecken in den Rand des Originals geschnitten waren, dort, wo später der Klett eingenäht werden sollte. Das hab ich dann nachgemacht; alternativ kannst du die Stellen mit einem Stift anzeichnen.

Babboe-Sitzpolster-5-Schnitt-abnehmen_Zacken

Rückenteil und Sitzpolster waren durch Streifen verbunden, die innen mit einem Gurtband verstärkt waren.

Babboe-Sitzpolster-6-Verbindungsstücke

Streifen mit Gurtband

Schritt 2: Zusammennähen

Da die „rechte“, schöne Seite vom Wachstuch unheimlich an der Nähmaschine und am Füßchen klebt, empfehle ich dringend einen Trick: Schlage das zu nähende Teil in einen Rest Schnittpapier ein (oder Backpapier, Butterbrotpapier, Seidenpapier,… egal, irgendein dünnes Papier) und nähe übers Papier drüber. Das Papier kannst du anschließend einfach runterreißen. Wenn es ein dünnes Papier war.

Babboe-Sitzpolster-7-Verbindungsstück nähen

Das Verbindungsstück in Papier einschlagen.

Babboe-Sitzpolster-8-Verbindungsstück mit Papier nähen

Übers Papier drüber nähen.

Babboe-Sitzpolster-9-Verbindungsstück mit Papier

Das Papier abreißen.

Ein weiterer guter Tipp: Die Verbindungsstücke und die Klettbänder (die unter dem Sitzbrett zusammengeklettet werden und den Polster am Sitzbrett fixieren), waren im Original mit ein paar Stichen fixiert, bevor die Teile zusammengenäht wurden. Das habe ich übernommen, es hat sich bewährt.

Babboe-Sitzpolster-11-Sitzfläcke mit Klett

Die Klettbänder und Verbindungsstücke mit ein paar Stichen fixieren.

Das eigentliche Zusammennähen ist dann keine Hexerei mehr: Die linke Seite des Stoffes kommt nach außen, und die klebt nicht an der Maschine. Da ich (noch) keine modischen Näh-Klammern besitze, haben es Mini-Wäschenklammern, die noch vom Stoffbuch übrig waren, auch getan. Stecknadeln sind hier kaum durch den Stoff zu bekommen.

Babboe-Sitzpolster-12-halten mit Klammern

Fixieren mit Mini-Wäscheklammern.

Nähe den Rückenteil und den Sitzpolster zusammen und lasse bei beiden eine Wendeöffnung offen. Beim Rückenteil musst du die Seite mit der Rundung zuerst zunähen und auf der geraden Seite eine Wendeöffnung lassen. Beim Sitzteil musst du die gerade Seite zuerst zunähen und auf der gerundeten Seite eine Wendeöffnung lassen. (Das ist wahrscheinlich nur für diejenigen relevant, die sich auch so ein Teil nähen, an dieser Stelle… Leider ohne Fotos.)

Dann die Ecken 2cm breit abnähen, beide Teile wenden und die Schaumstoffteile wieder reinstopfen.

Wie der Klett und die Verbindungsteile drauf genäht gehören, war dann trotz vorheriger Notizen Denkarbeit! Und hat ein, zwei Mal Auftrennen benötigt. Das ist ganz normal…

Das Schließen der Wendeöffnungen war dann ein richtiger Krampf, weil die rechte Seite vom Wachstuch außen sein muss und an der Nähmaschine klebt. Und weil der Schaumstoff wieder im Polster drinnen ist und das ganze Gebilde unhandlich macht, und das Seidenpapier immer runterrutscht und… alles bäh! Mit viel Fluchen. Und nochmal auftrennen, weil die Naht nicht schön geworden ist.

Aber wenn dann das fertige Teil am Rad ist, hat sich alles wieder gelohnt!

Babboe-Sitzpolster-14-fertig im Rad

 

Wie geht es Euch beim Verarbeiten von Wachstuch? Habt Ihr Tipps für mich? Ich freu mich über Eure Kommentare unten!

Nachhaltige Mobilität

Seit über zwei Jahren fahren wir jetzt mit dem Lasten-E-Bike, der Göttergatte erledigt den großen Wochenendeinkauf damit, wir haben die Tochter kutschiert (die inzwischen aber lieber selbst mit dem Rad fährt), der Göttergatte transportiert das Mittagessen für die Firmen-Belegschaft (worüber er hier berichtet hat)… Ich liebe dieses Rad!

Unser Rad hat mit nur zwei Rädern eine super Kurvenlage und fährt sich schnittig. An den größeren Kurvenradius haben wir uns sehr schnell gewöhnt. Im Sommer ist es Cabrio, im Winter oder bei Regen kommt zum Schutz ein Dach drüber. Wir überlegen seit Jahren immer wieder, ob wir unser Auto nicht vollständig abschaffen. Das Auto benutzen wir höchstens mal am Wochenende, für größere Transporte und für den Urlaub. Noch haben wir uns aber nicht dazu durchgerungen.

Obwohl ich am Land aufgewachsen bin (oder wahrscheinlich gerade deshalb) liebe ich es, zentral in einer Stadt zu wohnen. Ich liebe es, nur 5 Minuten in die Innenstadt zu haben, wo ich alle möglichen Geschäfte zur Verfügung habe. Ich liebe es, aufs Auto „verzichten“ zu können, weil ich die meisten Wege zu Fuß oder mit dem Rad erledigen kann. Und nicht stundenlang Parkplatz suchen muss. Ich liebe es, auf die ganze Infrastruktur und das kulturelle Angebot zurückgreifen zu können, die eine Stadt bietet.

Warum das Leben in Städten nachhaltiger ist als das am Land (was einem zunächst widersinnig erscheint), hat Robert Lechner im Artikel „Wer Nachhaltigkeit will, muss sie in unsere Städte bringen“ argumentiert, zu finden in diesem Buch (von dem ich eine Herausgeberin war, höhö). Beim Österreichischen Ökologie Institut kann man das Buch broschiert bestellen, ich glaube, es gibt noch ein paar Restexemplare.

Und? Wie habt Ihr Eure Transportproblematiken gelöst? Kommt ihr ohne eigenes Auto aus oder geht das gar nicht? Am Land z.B., wo die Distanzen größer sind und der öffentliche Verkehr kaum existiert… Ich kenn das ja von früher. Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

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fix it – Reparieren ist nachhaltig

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13 comments

  • Euer E-Lastenfahrad ist der Knaller, Konnte mich gar nicht sattsehen darah …. Voll genial.
    Ich wohne auf dem platten Lande in MIttelfranken. Ohne Auto bist du da voll aufgeschmissen. Kein Markt oder Supermarkt in Lauf- oder Radnähe und ohne Auto könnte ich auch gar nicht zur Arbeit kommen (12 km entfernt). Das Gleiche gilt für meinen Mann – und so kommt es, dass wir (wie die meisten Familien hier) 2 Autos haben. Und wenn du große Kinder hast, die in eine höhere Schule gehen, dann kann es sein, dass du 3 Autos hast ….. Die volle Verschwendung. Aber unumgänglich.
    Ich würde ja sofort wieder in eine Stadt ziehen (du hast völlig Recht mit deinen Argumenten!) – aber mein Mann lässt sich davon überhaupt nicht überzeugen. Noch nicht …(!).
    Wachstuch wenden ist fürchterlich, das stimmt. Und anstatt die Wendeöffnung zuzunähen, könnte man vorher ein Klettband als Verschluss dran machen – oder einfach mit Klebstoff zukleben??
    Herzliche Grüße
    vonKarin

    • Hallo Karin, wie schön, dass du vorbeischaust, und ich freu mich, dass du so begeistert bist! (Bringt mein Rad-missionarischer Eifer ja doch was 😉 ) Ich kenn das ja aus meiner Kindheit und Jugend am Land: ohne Auto ist nix. Mit 16 war das Erste ein Motorroller, damit ich mobiler sein konnte. Aber das genieße ich schon sehr in der Stadt, fußläufig oder mit dem Rad unterwegs sein zu können. Mit dem Lasten-E-Bike sind wir übrigens bei allen Strecken < 15 Kilometer fast so schnell wie mit dem Auto. Und in der Stadt sowieso, weil die Parkplatzsuche wegfällt. Dafür haben wir keinen Garten, den die Kinder sich manchmal wünschen würden. Aber die ziehen eh in absehbarer Zeit aus 😉 Ich habe das Gefühl, es sind auch zwei Philosophien, ob man lieber auf dem Land oder in der Stadt wohnt. Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Klettband anbringen ist eine gute Idee, Klebstoff gefällt mir nicht so gut. Aber ich habe jetzt ein Teflon-Füßchen für die Nähmaschine besorgt und muss eh bald wieder was mit Wachstuch nähen. Ich werde berichten!

  • Respekt zum Durchhalten beim Nähen des Wachstuchbezuges ohne Teflonnähfuß, habe einen den ich bisher noch nie benutzt habe.
    Hier in den Bergen des Thüringer Waldes ist ein motorisiertes Gefährt sehr angenehm ;-))
    Besorgungen, Behördengänge und Einkäufe versuche ich als eine möglichst kurze Route zu optimieren. Ich arbeite zu Hause.
    LG Ute

    • Hallo Ute, na, das Nähen des Wachstuches ist ja ganz simpel, solange es rechts auf rechts liegt und man die linke Seite außen hat. Aber die letzten beiden Nähte, zum Schließen der Wendenähte der beiden Polster, wo die rechte Seite außen sein muss, die haben genervt. Ich bin noch auf der Suche nach einer Erkenntnis.

  • Liebe Gabi,
    nur ganz kurz, weil ich grad auf dem Sprung bin, es aber nicht vergessen will.
    Zum Vernähen von Wachstuch oder beschichteter Baumwolle usw. (alles was eben klebt) gibt es spezielle Nähfüße, die dann nicht kleben. Das sind Teflonfüßchen. Damit funktioniert es eigentlich super und alles flutscht!
    Liebe Grüße und bis später noch mal.
    Charlie

    • Liebe Charlie, echt? Teflonfüßchen? Noch nie gehört, super Tipp, danke! Gibt es dann auch Teflon-Stichplatten? Weil der Stoff klebt ja oben UND unten. Oder würdest du dann doch Papier unterlegen? Ich freu mich auf weitere Infos! glg, Gabi

      • Unten klebt der Stoff in der Regel nicht, du legst beim Nähen ja meist die Lagen re/re und da bräuchtest du nicht mal ein Teflonfüßchen.
        Das ist vor allem beim Absteppen unerlässlich ( Alternative: Rollenfuß oder du klebst an dein normales Füßchen ein Stück von dem matten Scotch-Klebefilm)
        Der Stich sollte nicht zu kurz sein, vor allem ist das bei billigeren Wachstüchern mit Vlies oder Gitterrückseite wichtig. Die werden sonst zu stark perforiert und reißen leichter aus.

        Bei Wachstüchern gibt es viel größere Qualitätsunterschiede als bei Stoff, die Materialien mit der Gitterrückseite wie im Fahrrad-Original sind mit am minderwertigsten, die hochwertigsten Wachstücher haben eine gewebte Unterseite, sind eher dünn und super zu verarbeiten ( im Handel als „laminated cotton“ –>laminierte Baumwolle)

        Dein Fahrrad finde ich toll!
        Viel sympathischer und extravaganter als jedes Auto!

        • Vielen herzlichen Dank für die Materialkunde! Du hast recht: Der alte Bezug hatte eine Gitterrückseite, der neuere dürfte so ein laminated cotton sein. Herzlichen Dank auch für den Tipp mit dem Scotch-Klebefilm, ich werde das ausprobieren. Das Problem trat ja nicht beim rechts-auf-rechts-Nähen auf, sondern bei den letzten beiden Nähten, beim Schließen der beiden Wendenähte, wo die rechte Seite außen sein muss. Das Wachstuch klebte dann eben nicht nur am Füßchen sondern auch auf dem gesamten Arm der Nähmaschine unten. Als ich das Werkstück in einen Schnittpapier-Rest gehüllt habe, damit es flutscht, hat es dann fast zu viel geflutscht und ist mir ständig links unterm Füßchen herausgerutscht. Vielleicht sollte ich die letzten Nähte per Hand schließen? Stell ich mir bei Wachstuch auch nicht so angenehm vor, weil das ja doch ziemlich dick ist und die Nadel sicher nicht leicht durchgeht. Vielleicht vorher pricken oder Löcher vorstechen?… So ganz der Weisheit letzten Schluss hab ich noch nicht gefunden. Macht nichts. Hab ich was zu Tüfteln.

  • Oh, klasse! Der Drahtesel als Packesel – so ein Lastenrad ist wirklich ne tolle Sache und macht das Auto ja nahezu überflüssig. Mit „normalem“ Rad sind Einkäufe ja oft eine Herausforderung, werden bei uns dann meistens auf alle verfügbaren Fahrradkörbe verteilt und zusätzlich hängen bei Bedarf Beutel oder Rucksack auf meiner Schulter. So fährt man natürlich keine langen Strecken, sondern nur kurze (Stadt-)Wege …
    Übrigens schätze ich das Fahrrad in der Stadt ganz besonders deshalb, weil ich mit den Kindern ruckzuck rauskomme aus dem Gewusel, um dann etwas außerhalb fein ruhig und in unserem Rhythmus herumzuradeln. Einfach so, wie ich es als geborenes Landei aus meiner eigenen Kindheit kenne.
    Danke für´s Mitmachen bei Like-2-bike – und gern demnächst mehr 😉
    Liebe Grüße
    Christiane

    • Hallo Christiane, das ist schön zu sehen, dass du dich so freust! Ich bin ganz deiner Meinung: Mit dem Lastenrad ist es super in der Stadt, auch weil man sämtliche Wege gegen Einbahnen nutzen kann, durch Fußgängerzonen schieben und so manche Abkürzung nützen. Wenn mein Mann mit dem Lastenrad unterwegs ist, habe ich zusätzlich einen riesigen Vorderkorb bei meinem Rad. Da geht auch mal eine ganze Badetasche rein. Ich hab da noch einen Beitrag für Dich, den werde ich gleich verlinken. Und demnächst ganz viel auf deiner superfeinen Linkparty lesen müssen. lg Gabi

  • Hallo!

    Ich freue mich total darüber, dass Du diesen genialen Beitrag zu meiner Linkparty „fix it“ verlinkt hast!

    Dein (Euer) Fahrrad finde ich ja wirklich genial, das Bild mit Kind ist sensationell.

    Christiane würde sich sicher total darüber freuen, sie ist so ein Fahrradfan und hat eine ganz tolle Linkparty

    http://bikelovin.blogspot.co.at/2015/10/like-2-bike-hauptsache-fahrrad-10.html

    Vielleicht magst Du den Beitrag auch noch zu ihr schicken? Sie freut sich immer total über außergewöhnliche Fahrradfotos.

    Viele liebe Grüße

    Maria

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