Zelt-Taschen

Mein Beitrag zum Quilter’s Advent Calendar

Aus einem kaputten Zelt, einem kaputten Regenschirm und geerbtem Polyester-Futter aus den 1970ern entstanden 12 meiner Lieblings-Einkaufstaschen – inmitten von Umzugskisten.

Liebe Leute, still war’s hier! Aber unser Umzug ist nach knapp vier Wochen einpacken und abbauen, wieder aufbauen und auspacken fast ganz geschafft. Schön langsam kehrt der Alltag ein und auch wieder die Muße zum Bloggen. Schön ist das, wieder hier zu sein und zu berichten! Nämlich diesmal vom selbst produzierten Wahnsinn mit dem Quilter’s Advent Calendar.

Zirka so ein Zelt diente als Ausgangsmaterial.

Aufmerksam gemacht hat mich bereits im August die liebe Ines, dass da auf Instagram ein Adventkalender-Swap ausgeschrieben war. Organisiert haben den Tausch Anna alias @bavaria_quilting und Jennifer alias @yokokudo88. Jede Teilnehmerin sollte 12 Teile nähen und weitere 12 ebenfalls nähen oder kaufen. Wir machten Vorschläge, was wir machen wollten und bekamen zugeteilt, was wir machen sollten, damit die Mischung der Päckchen schließlich ausgewogen würde: Ich sollte 12 Einkaufstaschen nähen und 12 Sachen kaufen. „Einfach!“, sollte man sich denken. Von Mitte September (nach unserem Urlaub) bis Mitte November (wenn die fertig genähten Dinge verschickt werden mussten) sollte eigentlich genügend Zeit sein, alles fertigzustellen.

Das kaputte Zelt aufgetrennt. Schwarz ist der Boden, blau war das Oberzelt, mit grünen Akzenten um Kanten und Reißverschlüsse.

Ich hatte allerdings komplett unterschätzt, wie viel Zeit es verschlingt, eine Wohnung zu kaufen, zu renovieren und den Umzug vorzubereiten, sogar obwohl relativ wenig zu renovieren war. Die Wohnung kam auch ziemlich rasch, das war so nicht geplant. Eigentlich hätte ich ab Mitte September nichts anderes tun können als mich um den Umzug zu kümmern, auch ohne zusätzlich für Geld zu arbeiten, und wäre immer noch ausgelastet gewesen. Und so habe ich den Zuschnitt der Taschen verschoben und verschoben…

Der geblümte und der orangene Futterstoff.

Von meinen Lieblingsnachbarn (Jetzt eigentlich leider nicht mehr Lieblingsnachbarn, weil wir ja umgezogen sind, aber trotzdem die allerliebsten Leute!) hatte ich letztes Jahr ein kaputtes Popup-Zelt vor dem Müll gerettet. Bereits mit der Absicht, Einkaufstaschen nach dem Schnitt der Regenschirm-Falttasche daraus zu fabrizieren. Für 12 Taschen war das vorhandene Material allerdings etwas knapp, deshalb habe ich manche Schnitt-Teile ein bisschen mit dem grünen Kontraststoff patchen müssen und zusätzlich einen kaputten dunkelblauen Regenschirm angeschnitten. Auf diese Art gleicht keine Tasche der anderen – fast jede hat eine individuelle Naht oder einen Einsatz irgendwo.

Jeweils die Vorderseite (vorwiegend blau) und die Rückseite einer Tasche (vorwiegend schwarz) – und alle sind ein bisschen verschieden.

Das Tolle an so einem Zeltstoff ist ja, dass er an und für sich wasserabweisend ist, der schwarze Boden sogar wasserdicht, was auch für Einkaufstaschen eine günstige Eigenschaft ist! Zur Verstärkung bzw. als Futter der Träger verwendete ich einen grell geblümten, dünnen original Vintage-Plastik-Stoff, den meine Mutter aussortiert hatte. Als der nicht reichte, kamen noch ein orangener und ein dunkelgrüner Futterstoff dazu, die ich in den Taschen kombiniert habe, um das eher ernste Schwarz-Blau des Zeltstoffes etwas aufzubrechen, dünn und stabil genug, dass man die Tasche trotzdem noch gut klein zusammenrollen kann.

Das Futter ist drinnen, es fehlen die seitlichen Nähte. (Mitten im Umzug.)

Auch den Näh-Aufwand für die 12 Taschen hatte ich komplett unterschätzt. Die Regenschirm-Upcycling-Tasche ist kein ganz schnelles Nähprojekt, weil für eine saubere und haltbare Verarbeitung französische Nähte nötig sind. Beziehungsweise werden die Träger und einige andere Nähte zusätzlich abgesteppt, damit sie stabiler sind und auch große Einkaufslasten aushalten können. Also im Prinzip muss jede Naht zwei Mal genäht werden. So habe ich bis zwei Tage vor Umzug zusätzlich noch Näh-Nachtschichten eingelegt, und als erstes nach dem Umzug die Nähmaschine und das unfertige Projekt ausgepackt, um noch rechtzeitig fertig zu werden. Aufmerksame Leserinnen haben bei meinem letzten Post übers Nähen und Bloggen zum folgenden Bild kommentiert, dass es wohl meine echte Nähbegeisterung widerspiegelt, wenn Nähmaschine und Bügeleisen als erstes ausgepackt werden… Naja, leider nein. Es war eher dem Zeitdruck geschuldet. (Hausgemacht, wie gesagt. Dafür kann keine was außer mir.)

Im Vordergrund liegt der Grund für das frühe Auspacken der Nähmaschine…

Eine halbwegs klassische Gabi-Aktion, ich bin sowieso eine Meisterin der letzten Minute. Aber ich bin im Endeffekt auch sehr stolz, dass trotz erschwerter Umstände mein Paket noch pünktlich bei den Organisatorinnen eingelangt ist, um in die Päckchen der anderen Teilnehmerinnen umverteilt zu werden. Und ich hoffe, dass die Empfängerinnen sich über diese äußerst praktischen, weil so klein zusammenfaltbaren aber trotzdem extra geräumigen Taschen freuen! Meine, die ihren fixen Platz in meiner Alltagstasche hat, ist fast täglich im Einsatz.

Fast fertig, fehlt nur mehr einrollen.

So, jetzt kennt Ihr die Geschichte. Ich denke, dass ich in nächster Zeit erstmal keine Einkaufstaschen mehr nähen werde. 😉 Es warten genügend andere Projekte, die ebenfalls unter dem Wohnungskauf gelitten haben, und die ich gerne bald zu Ende bringen möchte. Aber was soll’s: Umziehen tut man normalerweise alle heiligen Zeiten einmal, und wir müssen im besten Fall nie wieder. Ich werde bald wieder ganz viel Zeit zum Werkeln und zum Bloggen und zum Lesen auf anderen Blogs haben, darauf freu ich mich sehr.

Fertig. So klein: Gemein! Man glaubt gar nicht, wie viel Arbeit da drinnen steckt.

Aber gut, dass ich das durchgezogen habe, denn sonst hätte ich ja selbst keinen Kalender bekommen, und der wiegt jeden vorangegangenen Stress auf: Jeden Tag eine Überraschung von einer anderen Nähbegeisterten! Ich liebe diesen Adventskalender schon jetzt!

Ich freue mich heute am Freutag, dass ich nach Langem wieder einen Blogpost geschafft habe, mache mich am Wochenende ans Einpacken der letzten Umzugskisten, damit die alte Wohnung (endlich!) leer wird, und ans tägliche Auspacken meiner Päckchen. Wer mir auf Instagram folgt, kann dort den Fortschritt verfolgen.

Wie steht’s bei Euch mit dem Adventskalender? Habt Ihr auch einen? Ich wünsche Euch schöne vorweihnachtliche Tage und grüße herzlich,
die Gabi

Das ist drin

Schnitt/ Anleitung: Upcycling-Regenschirm-Falttasche (von mir)

Änderungen: kaputtes Zelt statt Regenschirm verwendet

Kosten: praktisch Null, bis auf kilometerweise Nähgarn, das kann ich nicht abschätzen.

Werkzeug: Nähmaschine

Arbeitszeit: mindestens 4 Stunden pro Tasche

Fazit: Genügend Zeit einplanen! Diese Tasche ist kein ganz schnelles Projekt.

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12 comments

  • Liebe Gabi,

    wie sagte ein Freund mal zu mir: „Ich hab so lange ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe.“ Ich finde das trifft in Deinem Fall absolut zu. Dennoch Hut ab, dass Du es geschafft hast. Irgendwie kommt mir die Geschichte bekannt vor. Ich hatte mich vor zwei Jahren auch für eine Bloggeraktion angemeldet und dann die Wohnung schneller gefunden, als ich es erwartet hätte. Bei Dir kommt ja jetzt auch noch erschwerend hinzu, dass Weihnachten vor der Tür steht.
    Daher wünsche ich Dir ganz ernst gemeint, eine geruhsame Weihnachten.

    LG Mareike

    • Liebe Mareike, in diesem Fall war es so ziemlich von Beginn an ein Zeit- und relativ rasch auch ein Platzproblem (als die Schachteln begannen, den verfügbaren Zuschneideplatz zu verstellen), an der Motivation hat es bei diesem Projekt nie gemangelt. Dass Weihnachten vor der Tür steht stört mich dieses Jahr aber gar nicht. Es gibt noch so viel zu tun, um die restlichen Umzugskisten zu leeren und die Grund-Behaglichkeit wiederherzustellen, dass ich dieses Jahr für Weihnachten gar nichts mache: Nur das Minimum an Geschenken, keine Dekorationen, keine Post. Geht einfach nicht. Von daher hatte ich noch nie so wenig Weihnachtsstress wie dieses Jahr! Und wenn ein freies Minütchen bleibt, setzte ich mich mit der Tochter ins wieder wohnliche Wohnzimmer und schaue einer Kerze beim Brennen zu… lg, Gabi

  • Ein tolles Projekt, wenn man es erst einmal angefangen hat, dann muss man einfach durch. Die Verwandlung der Zeltwände in Einkaufsbeutel ist eine gute Idee.
    Über eine Verlinkung bei http://123-nadelei.blogspot.de/2016/05/nix-plastix-linkparty-2016.html würde ich mich freuen. Dein Projekt passt a perfekt rein.
    LG Ute

    • Liebe Ute, stimmt, ja! Ich habe so lange nicht bei Deiner Linkparty verlinkt, dass ich ganz darauf vergessen habe. Hole ich gleich nach, gerne! lg, Gabi

  • Oh Gabi – was für eine Aktion!!! Da in meinem Päckchen heute Deine Tasche drin war und ich die Tasche in all ihrer Verarbeitung vor mir sehe: Danke für all Deine Mühe und Dein Nähen. Ich mag solche Taschen sehr gerne und werde Deine in meine große Tasche tun und mich immer wieder dran freuen!
    Ich freu‘ mich, wieder mehr von Dir zu sehen und zu lesen und kann Eure Erleichterung verstehen, dass Ihr den Umzug geschafft habt! Gutes Eingewöhnen und Einrichten,
    liebe Grüße
    Ines

    • Ganz selber schuld bin ich da, liebe Ines, ganz selber schuld! Hätte man ja vielleicht alles auch ein wenig anders timen können, nicht wahr? Aber sei’s wie’s sei, ich freue mich so über den Quilter’s Adventkalender, der ist einfach großartig! Heute habe ich eines von Deinen Geschenken ausgepackt – einfach megatoll! (Muss gleich noch meinen heutigen Instagram-Post dazu verfassen.) Und seit gestern sind alle Sachen in der Wohnung so weit ausgepackt und verstaut, und das Computernetzwerk eingerichtet, dass ich mich endlich wieder auf meine Geldverdien-Arbeit konzentrieren kann weil nicht jeder Schritt hier mühsam ist. Es wird! Jetzt nur noch in den Werkel- und Blogging-Rhythmus wieder reinkommen, ich freu mich drauf. lg, Gabi

  • Vier Stunden für eine Tasche, und Du hast zwölf davon gemacht, mitten im Umzug und quasi schon in der Vorweihnachtszeit?
    Hahaha, Du bist völlig meschugge, das ist so großartig!

    • Äh, nein, eigentlich hab ich nicht 12 sondern sogar 13 genäht… Eine Tasche liegt so etwas abseits auf dem vorletzten Bild, das ist die dreizehnte Tasche, die nicht in die Adventskalender gewandert ist sondern direkt zur Lieblingsnachbarin und Zelt-Spenderin. (Insofern ist sie definitiv glücklicher, die dreizehnte Tasche, als z.B. die dreizehnte Fee, die keinen goldenen Teller bekommen hat.) Sie dient der ewigen Erinnerung der Nachbarin an ihre Höllen-Fahrt vom Urlaub nach Hause, als besagtes Zelt sich hinten in ihrem Kofferraum regelmäßig wieder entfaltet und somit den Blick in den Rückspiegel verstellt hat. Ich glaube, sie hatten sehr viel Spaß damals, jedenfalls wird die Geschichte gern erzählt… Also als „völlig meschugge“ würde ich mich jetzt nicht unbedingt bezeichnen, „leicht daneben“ drückt es auch recht treffend aus. 🙂 lg, Gabi

  • Lia

    Ich habe meine Tasche heute im Kalender gehabt und sie ist soooo toll! Ich benutze total gerne Taschen aus diesem Material, die sind prima bei schlechtem Wetter! Vielen Dank! Hab sie gleich eingepackt, hab immer welche dabei 😀

    • Oh danke für die Rückmeldung, liebe Lia! Ich freu mich sehr, dass sie Dir gefällt und Du sie gleich eingepackt hast. Ein schöneres Kompliment gibt es fast nicht. Und ich hab heute Deinen Mug Rug/ Anhänger ausgepackt – einfach Zucker!! lg, Gabi

  • Karoline

    Das ist ja der Wahnsinn, umziehen und dazu noch diese tollen Taschen nähen. Ich bin sprachlos! gratuliere zu dem sehenswerten Ergebnis. LG, Karoline

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