Alpaka Expo und Projekte

Liebenswert wollig

Vom 16.-18. Februar 2018 fand in der Messe Graz die erste internationale Alpaka-Expo statt. Eine Mischung aus Landwirtschafts- und Textil-Ausstellung, bei der viel über diese flauschigen, knuffigen Tiere zu erfahren war.

Tiere

Es war eine Messe für landwirtschaftlich Interessierte, für die Zuchtbetriebe aber auch für Konsument/innen. 10.000 Menschen besuchten an drei Tagen (Freitag bis Sonntag) die Expo. Die meisten Ausstellerinnen, mit denen ich gesprochen habe, hatten mit so einem Ansturm nicht gerechnet, waren aber natürlich darüber erfreut.

Bei der Expo gab es für die Zielgruppe Landwirt/innen alles, was zur „Produktion“ von Alpakas nötig ist  (Angebote von Zuchthengsten, Futtermittel, Stallbauten, Transport-Anhänger, Klauenscheren,…) und für die Zielgruppe Konsument/innen alles, was von Alpakas verwertet werden kann: Wolle, Kleidung und Bettdecken daraus, Seifen und Pflanzendünger.

Alpakas gibt es von Natur aus in vielen Farbschattierungen.

Dass dazwischen auch Produkte aus Zirbenholz, energetisiertes Wasser, ätherische Öle und Whirlpools an Ständen angeboten wurden, fand ich ein bisschen skurril, aber es hat mich auch nicht wirklich gestört.

An Züchtern waren viele kleine steirische Betriebe vertreten, von denen manche ihre Zucht gerade erst mit einer Handvoll Alpakas beginnen, aber auch einige größere und internationale Züchter, die zum internationalen Zucht-Wettbewerb angereist waren. Spannend und für mich völlig fremd die Formulierungen der Züchter, wie manche ihren Betrieb anpreisen: „Eingekauft wurde überwiegend ausgezeichnete Genetik“.

Von der landwirtschaftlichen Seite wird das Alpaka als genügsam angepriesen, es verursacht durch seine weichen Füße und seine Art zu grasen kaum Erosion auf den Bergweiden, und Alpakas sind sehr „leise“ Tiere: Sie muhen und mähen und meckern nicht, sondern verständigen sich durch ein leichtes Summen. (Habe ich gelesen, aber nicht gehört. Es war so still bei der Messe.)

Produkte

Als Textil-Bloggerin habe ich mich vor allem für die Produkte interessiert. Die angebotene Kleidung stammte vorwiegend von zwei großen Händlern/Marken, die ihre Textilien via Fairtrade direkt aus den Anden beziehen, und wirkte durchwegs industriell produziert. Daher wiederholten sich auch die Modelle und Muster an einigen Verkaufsständen. Diese Mode hat nur wenig mit „Anden-Mode“ zu tun, wie wir sie von Weihnachtsmärkten von früher her kennen (nämlich eher dicke, grob verstrickte Wolle), sondern es sind durchwegs warme Erdtöne in Mustern und Modellen, die an den europäischen Geschmack angepasst wurden.

Nur an einem Stand gab es handgestrickte Mützen und Loops von einem steirischen Alpakahof zu kaufen, an einem anderen Stand wurde das Spinnen und auch Filzen vorgeführt. Ansonsten war eher wenig „handmade“ zu sehen.

Ich mag das ja bekanntermaßen sehr, wenn ich weiß, woher die Güter kommen, die ich konsumiere, und unter welchen Bedingungen sie produziert werden – und am liebsten auch hier regional. Aber von den heimischen Produzent/innen, mit denen ich gesprochen habe, verspinnt kaum jemand die Wolle selbst: Die meisten liefern ihre Woll-Fleece an eine österreichische Firma, die sie zu Pölstern und Bettdecken verarbeitet. Die Alpaka-Faser eignet sich sehr gut als Füllung für Bettzeug, aber auch auch für Funktionsunterwäsche, da die Faser sehr leicht und fluffig ist und viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Aber die versponenne reine Faser reißt auch relativ leicht, daher wird Alpaka zum Verstricken gerne mit Schafwolle gemischt und für Sockenwolle mit Polyamid, wie andere Sockenwolle auch.

Der Spagat zwischen Landwirtschaft und Mode auf dieser Expo war witzig, aber aus meiner Sicht durchaus gelungen: Während auf der einen Seite der Halle professionelle Models mit kühlem Blick und festem Tritt die Kleidung aus Alpaka-Fasern vorführten, trippelten auf der anderen Seite flauschige Tiere auf kleinen Füßchen zur Bewertung und schauten teils nervös in die Runde.

Die Produktion von Alpaka-Fasern macht nur einen Bruchteil der weltweiten Wollproduktion aus, aber der Trend steigt. Wer mehr erfahren möchte, sieht sich am besten auf der Webseite des Österreichischen Alpakazucht-Verbandes um, auf der sehr viel Wissenswertes zusammengetragen wurde. Dort gibt es auch einen Nachbericht zur Expo aus der Sicht der Veranstalter, mit viel mehr Fotos von den Tieren und vom Zuchtbewerb.

Projekte mit Alpaka

Ines hat einige Stränge Alpaka-Sockenwolle mitgenommen (und ich bin gespannt auf ihren Bericht, wie diese Wolle sich verstrickt und trägt), aber ich habe mich mit Einkaufen zurückgehalten. Weil ich nämlich noch Alpaka-Wolle für drei Projekte zu Hause habe, die zuerst gestrickt werden möchten.

Erinnert sich jemand an meine Strickjacke Frau des Leuchtturmwärters vom Sommer 2016? Weil mir das Zipfelige nicht gefiel, hatte ich sie noch einmal aufgetrennt und den Körper gerade runter gestrickt. Aber das Modell ist einfach nicht meines (die Jacke lässt sich nicht schließen), und die 100% Alpaka-Wolle, die ich verwendet habe, ist für so ein eher loses Gestrick (Garn Stärke 4 verarbeitet mit Nadeln Stärke 9) nicht geeignet: Nach zweimaligem Tragen ist die Jacke unter beiden Achseln, dort wo sie stärker beansprucht weil gedehnt wird, gerissen. Mit einem widerstandsfähigeren Baumwoll- oder Schafwollgarn, oder aber mit einer widerstandsfähigeren Alpaka-Mischung ist man bei diesem locker-luftigen Modell sicherlich besser beraten.

Weil mir aber schade um die feine, weiche Wolle war, habe ich dann die ganze Jacke noch einmal komplett aufgetrennt, die Wolle um Kleiderbügel gewickelt, befeuchtet und trocknen lassen und dadurch geglättet. (Tipps zum Glätten krauser Wolle habe ich hier im Brigitte Forum gefunden.) Nun ist sie bereit, in einem anderen Projekt erneut verstrickt zu werden. In den „Poivre & Sel“ Rollkragenpullover habe ich mich bei Feierabendfrickeleien verguckt. Das Strickmuster gefällt mir vor allem wegen des taillierten Verlaufes der Zöpfe, der Pulli ist auch im Rücken tailliert. Allerdings möchte ich die Anleitung als Jacke und mit rundem Ausschnitt statt Rollkragen sommertauglich machen.

Poive & Sel (Elise Dupont) mit Ferner Wolle 100% Alpaka

Dann habe ich vor mittlerweile auch schon wieder eineinhalb Jahren am 1. Wiener Woll- und Stofffest drei Knäuel handgesponnene Alpaka-Wolle vom Langzwettler Alpakahof in Oberösterreich gekauft. Diese Wolle ist naturfarben: Weiß stammt vom Hengst Avalon, braun von der Stute Susi und schwarz vom Hengst Fernando. Weil sie am Hof handgesponnen wird, kann man die Wolle tatsächlich zum Tier zuordnen, und charmanterweise ist der Name des jeweiligen Tieres auf der Banderole des jeweiligen Knäuels vermerkt! Aus dieser Wolle soll eine Liguria Mütze nach dem Muster von Katrin Schubert werden, in zweifarbigem Patentmuster und mit dieser wunderhübschen Rosette an der Spitze. Zweifarbiges Patentmuster habe ich schon geübt, aber fertig werden wird die Mütze ziemlich sicher erst im nächsten Herbst/Winter. Außer ich gebe mir noch schnell einen Ruck, denn sie sollte relativ schnell gestrickt sein.

Liguria (Katrin Schubert) mit Wolle vom Langzwettler Alpakahof

Und schließlich habe ich am Tauschtisch beim Bloggerinnentreffen in Köln letzten November zwei Knäuel Drops Alpaka-Seide Mischung in einem dunklen Lachston sowie das kleine Büchlein „Lace Stricken für Einsteiger“ von Monika Eckert gefunden. In Kombination wird das ein feiner, leichter Lace-Schal für meine Tochter: Ihr steht diese Farbe traumhaft, und sie trägt sehr gern solche fluffig-leichten Schals. Perfekt! Der Schal ist schon auf den Nadeln, strickt sich aber aufgrund des komplexen Musters recht langsam und ist kaum aufzuribbeln, denn die Reihen verfilzen sich sofort miteinander. Da heißt es: Konzentriert stricken! Durch die Mischung des flauschigen Alpaka mit der reißfesten Seide sollte der Schal aber sehr widerstandsfähig werden.

„Palau“ Lace Schal (Monika Eckert) mit Drops Alpaca Silk

Gerade habe ich bemerkt dass dies mein zweihundertster Blogpost ist! Jubiläum!

Genießt den Sonntag und erzählt doch mal: Was sind Eure Erfahrungen mit Alpaka, und was habt Ihr gerade auf den Nadeln?

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5 comments

  • Ha! Da hättest du ja einen Wollwickler auch sehr gut gebrauchen können für den geribbelten Pulli 😉
    Cool, dass du bei so einer Messe warst. Der Alpakahalter meines Vertrauens erzählt von sowas schonmal, aber er macht das nur hobbymäßig und diese Messen sind halt eher für Leute die durch Zucht Geld verdienen sagt er. Für viele ist so ein Alpaka ne Geldanlage, total verrückt dass die sich da die tollsten Alpakas züchten und dann nicht wissen was sie mit der Wolle machen sollen. Dass Halter ihre Alapakavliese verkaufen kenne ich aber auch wirklich nur von kleinen Hobbybetrieben.
    Fand ich sehr spannend deinen Post! 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Liebe Katharia, den Wollwickler hätte ich schon zwei, drei Mal in meinem Leben gebrauchen können, ansonsten habe ich immer fertig gewickelte Wolle verstrickt. Hätte aber große Lust, in Zukunft nur mehr Stränge zu kaufen, rein damit ich so eine elektrische Garnwickelstation bauen muss, wie Du eine entwickelt hast! Das juckt mich schon sehr, wäre ganz mein Ding!
      Ich bin gespannt, wie diese Messe sich entwickelt. Sie hat ja zum ersten Mal stattgefunden, und nach meinem Eindruck waren diesmal eben hauptsächlich kleinere Betriebe, außer der Familie Näsemann aus Norddeutschland, die schon seit 20 Jahren Alpakas züchtet, und die einen internationalen Alpaka-Schiedsrichter hervorgebracht hat. Aber stimmt: Du bist ja Alpaka-Patin, von daher ist Dir das Thema ja bekannt. Viel Freude weiterhin beim Spinnen und Verstricken! lg, Gabi

  • Gudrun

    Liebe Gabi,
    ich hoffe, mein Kommentar kommt heute mal durch, eine Zeitlang hat das nicht funktioniert und dann kam ich mit meinen E-Mails so ins Hintertreffen, dass ich das Kommentareschreiben komplett drangegeben habe 😉
    Egal, ich versuche es halt einfach mal wieder. Du bist so unglaublich aktiv (und kreativ), das ist echt der Hammer. Diese Messe hört sich ja wirklich ganz witzig an. Ein bisschen experimentell, aber nicht schlecht. Vielleicht entwickelt sich ja da noch etwas.
    Ich habe gerade übrigens auch ein Tuch angenadelt, mit BabyAlpaca Silk von Drops. Das ist ein ganz glattes Garn, also konnte ich auch mal zurückstricken (nicht so, wie du mit deinem schönen Tuch). Es fühlt sich ganz wunderbar an, die Mischung von Alpaka mit Seide ist haptisch einfach Luxus pur. Vor einigen Jahren hatte ich mir mal einen Pullover in Alpaka gestrickt, der zwar schön warm und leicht ist, aber sich halt (weil reine Alpaka Wolle) doch immer gerne ein bisschen längt. Was sich aber in Grenzen hält.
    Hab ein schönes Wochenende, bleib gesund und halte dich warm (hier ist es gerade alles andere als frühlingshaft!)
    Liebe Grüße
    Gudrun

    • Hallo Gudrun, schön, wieder mal von Dir zu lesen! Du hattest Probleme mit dem Kommentieren, echt? Davon habe ich bislang nichts bemerkt und auch nichts gehört. Ich hoffe, Deine Kommentare wurden nicht unbemerkt als Spam gelöscht. Falls das wieder einmal passieren sollte, dass ein Kommentar von Dir verschwindet, meldest Du Dich bitte per E-Mail bei mir, ja?
      Auch bei uns hat’s die letzten Tage noch einmal geschneit, aber lange kann es jetzt nicht mehr dauern. So ein bisschen draußen frische Luft schnappen ist aber auch ganz gut zur Stärkung der Immun (wenn das mal kein Mythos ist). Insofern versuche ich jeden Tag ein bisschen rauszukommen, so ein Schreibtischjob und dann auch noch an der Nähmaschine sitzen verlangen nach etwas Bewegung zwischendurch. Hab es fein, lg, Gabi

  • Liebe Gabi,
    da kommen all die schönen und interessanten Bilder wieder hoch – für mich war es auch ein sehr interessanter Besuch – Landwirtschaft und Mode eben. Die Wolle wartet noch aufs Verstricken, aber sie ist um so viel weicher als normale Sockenwolle. ich hoffe, das sie durch die Beimischung auch annähernd so haltbar ist.
    Liebe Grüße
    Ines

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