Zwirnknopf Workshop

Bunte Geometrie

Zwirnknöpfe! Bei der Maker Faire in Wien habe ich dieses alte Handwerk heuer entdeckt, die strenge Geometrie der dort präsentierten Knöpfe hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Als Heike alias Ringlotte auf Facebook einen Zwirnknopf-Workshop ankündigte, wollte ich das unbedingt ausprobieren.

Letzten Freitag trafen sich dann in den Räumen von Tina (Ernas Enkelin) acht Frauen mit teils beachtlichem Anfahrtsweg: Jenny (Sanduhrdesign) war aus Wien angereist, Christina, Esther (Fadenschnitt) und eine zweite Jenny waren aus Klagenfurt gekommen und der Rest (Rosemarie, Claudia, Anita und ich) aus Graz. Eine feine und sehr interessierte Runde!

zwirnknoepfe_teilnehmerinnenHeike hatte ein Skriptum vorbereitet und viele bunte Häkelgarne sowie kleine Ringe aus Aluminium als Grundlage mitgebracht. (Die Alu-Ringe werden normalerweise als Dichtringe in Traktor-Motoren verwendet.)

zwirnknoepfe_garneDie Knöpfe werden hergestellt, indem man das Garn über den Ring zunächst „aufschlägt“ und dann „abnäht“. Vor allem beim Aufschlagen, also beim Setzen der ersten Runden über den Ring kann es sehr leicht passieren, dass der Faden abrutscht und alles wieder aufgeht. (Einige haben manchmal ein bisschen geflucht deswegen.) Der einfachste Knopf ist der weiße Zwirnknopf, wie er vielen noch von alter Bettwäsche her bekannt sein dürfte.

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Aufschlagen (links) und abgenähte Knöpfe (rechts).

Durch die Kombination unterschiedlicher Farben, Wickelungen und zusätzlicher Umnähungen kommt man ziemlich rasch zu sehr komplexen Mustern. Die Vielfalt der Möglichkeiten ist unendlich und faszinierend!

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Zwirnknöpfe als Schmuckstücke von Heike Ringlotte

Unterstützung und Tipps durch eine erfahrene Knöpflerin sind dabei äußerst hilfreich und willkommen. Es wurde konzentriert gearbeitet.

zwirnknoepfe_konzentriertesarbeitenzwirnknoepfe_nahaufnahme Über Herkunft und Geschichte der Zwirnknöpfe habe ich im Bericht über den Schneiderei-Markt in Wien schon einmal etwas geschrieben. Mehr über die Knöpfe sowie zahlreiche Beispiele und Mustervorschläge findet man unter anderem in den Büchern von Sabine Krump, aber natürlich auch im Internet, wo auch die etwas anders aufgebaute englische Technik zu finden ist. (Fragt mich jetzt bitte nicht nach Details, ich habe eben erst begonnen, hineinzuschnuppern.)

zwirnknoepfe_buecherUnsere Ergebnisse nach einem kurzen Abend Knöpfeln können sich sehen lassen, finde ich! Zwei bis vier Knöpfe hat jede von uns fabriziert – und auf Facebook habe ich schon weitere Knöpfe von den Teilnehmerinnen bewundern können.

zwirnknoepfe_ergebnisseSieht so aus, als ob manche der Kursteilnehmerinnen auf den Geschmack gekommen sind.

Und Ihr so? Habt ihr schon einmal geknöpfelt? Ist das eine Technik, die Ihr Euch vorstellenn könnt mal auszuprobieren? Auf Eure Kommentare freue ich mich!

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18 comments

  • Zwirnknöpfe! Ein Traum!
    Schade, dass ich hinter den hohen Bergen kurz vorm Meer wohne…HIER gibt es keine Knöpflerinnen, glaub ich jedenfalls !?
    Ich bewundere dieses Handwerk sehr!!
    GLG Gabi

    • Man kann sich vielleicht eine Knöpflerin nach hinter die hohen Berge kurz vorm Meer holen, wenn eine genügend große Gruppe Interessierter zusamenkommt? Ich könnte da eine Connection legen. 🙂

      • Hmmm…interessanter Gedanke! Bist du die fernreisende Knöpflerin?
        …ich hör mich auf jeden Fall mal um….und schreib dir dann mal eine Mail….
        😀 bis kurz vorm Meer, cool!

        • Nein, nicht ich selbst (noch? nicht). Aber ich hab die Petra Mühlberger jetzt schon öfter getroffen und ich könnte mir vorstellen, dass sie als „Knöpfel-Botschafterin“ auch in den Norden reisen würde. Gefragt habe ich sie allerdings noch nicht. lg, Gabi

  • Suschna

    Da wäre ich auch gern dabei gewesen, seit der Stoffspielerei zu dem Thema Knöpfe damals kann ich einschätzen, wie schwierig das ist. Kennst du die japanische Fadentechnik, zu finden unter „Temari“ oder auch hier http://shishigirl.blogspot.de/2010/07/yubinuki-japanese-thimbles.html ? Das geht in die Richtung und macht auch wunderbare Ergebnisse.

    • Ah! Yubinuki! Da ist mir schon mal einen Artikel aus „Mollie Makes“ (ein geschenktes Exemplar aus einem Goodie bag) untergekommen, aber ich habe das noch nicht weiterverfolgt. Du hast Recht: Die Technik ist zwar völlig anders, aber die geometrischen Ergebnisse sind ähnlich. Waaaaah! Wann soll ich das alles ausprobieren? Mit wie viel Schmuck kann ich mich behängen, die ich nie Schmuck trage? Warum bin ich keine Katze und habe neun Leben? Obwohl – als Katze, so mit Pfoten, stell ich mir auch schwer Handarbeiten vor. Ich schweife ab, bin heute schon ein bisschen wuggi im Hirn. lg, Gabi

  • Liebe Gabi,
    die Knöpfe sind wunderschön! Ich würde sie vermutlich als Kette tragen (an einem Kleidungsstück wären sie mir wahrscheinlich zu groß). Als jemand, der Mathe mag, spricht mich das geometrische der Knöpfe sehr an. Der „Sternförmige“ bei den Schmuckstücken ist so richtig meins, aber auch die, die an den „Sternzwirn“ erinnern. Ich habe noch alte Karten, auf denen weiße Zwirnknöpfe aufgenäht sind. Aber verwenden will ich sie nicht, ich schau sie lieber an.
    Viel Spaß beim Weiterprobieren und Tüfteln (bei uns finde ich nie solche Kurse!!!!)
    Ines

  • Gudrun

    Oh, ist das mal wieder toll. Am liebsten würde ich es sofort ausprobieren! Kommt aber erst einmal auf meine Warteliste, ich habe gerade noch zuviele andere Projekte in der Mache. Und was mache ich dann mit den fertigen Kunststücken? Ich mag Knöpfe annähen nun mal so furchtbar ungern (dem ist schon das Projekt, fertige Taschen mit Knöpfen dekorativ zu gestalten, zum Opfer gefallen ; -)). Na, mir wird schon etwas einfallen, das Herstellen ist meist das, worauf es mir ankommt. Ein dickes Dankeschön für diesen Tipp und viel Spaß beim Zwirnen… LG

    • Dank Dir, liebe Gudrun. Ich weiß auch noch nicht recht, in welches größere Projekt ich die Zwirnköpfe einbauen könnte, aber jetzt hab ich zumindest eine Idee, wie’s gehen kann, und kann bei Bedarf darauf zurückgreifen. Meine Warteliste wächst ebenfalls, und sie wächst und wächst. Ich hoffe, ich werde 100 Jahre alt und bleibe dabei so fit, dass ich möglichst viel umsetzen kann. Zumindest wird mir nie langweilig. lg, Gabi

  • Wow, die sind ja toll geworden!
    Ich habe vor ein paar Jahren meine ersten Zwirnknöpfe in einer Knopfkiste geerbt und war damals schon sehr fasziniert davon. Dann habe ich entdeckt, dass sogar in Kempten Kurse hierfür angeboten werden. Und da ich ja erst hergezogen bin steht es seit einiger Zeit auf meiner: irgendwann-mal-ausprobieren-Liste. Und wenn ich eure Kunstwerke sehe, die innerhalb so kurzer Zeit entstanden sind, dann werde ich mich bald dazu aufraffen 🙂 Ich würde auch erstmal Kettenanhänger und Broschen daraus zaubern und dann, mh, vll auch Jackenknöpfe oder für Blusen…

    • Oh, das hört sich ja nach sehr feinen Plänen an! Knöpfe für Blusen extra selbst zu knöpfeln: das wäre ja noch einmal ein Eck edler! Hmm… mal überlegen, wo das dazupassen könnte…

  • Das finde ich ja toll, dass du einen Workshop zu diesem Handwerk gemacht hast. Zur Stoffspierei 2013 war das mein Thema, weil ich alte Zwirnsknöpfe hatte und ausprobiert habe, wie man es selber machen kann in verschiedenen Größen. Das Buch der Knopfmacherin war damals schon vergriffen. Es macht großen Spaß, aber als Verschluß an Kleidung schon fast zu schade! Die Möglichkeiten der Musterungen sind schier unendlich.
    Viele bunte Knöpfchengrüße, Karen

    • Du hast das 2013 schon mal probiert? (Warum überrascht mich das jetzt nicht, dass die Technik bei Dir schon einmal Thema war.) Magst du mir die Web-Adresse Deines damaligen Beitrages verraten? Ich glaube, die Knopfbücher sind jetzt wieder direkt bei der Autorin erhältlich (es gibt aber auch einige Literatur auf Englisch!), und ich habe den Eindruck, in der österreichischen DIY-Szene (oder zumindest in meiner Bubble) gibt es derzeit eine kleine Renaissance der Zwirnknöpfelei. Vielleicht liegt es auch an der Präsenz von Petra Mühlberger mit ihrem Label Feiner Faden auf Märkten (drei Mal habe ich sie dieses Jahr bei solchen Anlässen getroffen), und auch Heike Fürpaß (unsere Kursleiterin) hat erst vor ein paar Jahren mit dem Knöpfeln angefangen.
      Die Knöpfe werden hierortens meist als Schmuck angeboten, als Anhänger für eine Kette, als Ring oder als Brosche. Ich habe einen einzelnen, gekauften Knopf als zierenden Verschluss auf meiner gelben Jacke befestigt (hier in diesem Beitrag zu sehen). Für Bettwäsche ist diese Sorte Knopf halt immer noch ausgezeichnet geeignet, weil robust und gut auch bei hohen Temperaturen waschbar. Nur schade, dass meine Bettwäsche gerade ausreichend mit Knöpfen versorgt ist. 😉 Knöpferlgrüße zurück! Gabi

  • Wow – das sieht ja mal spannend aus. Kannte ich bislang so noch nicht, aber sieht nach einer Konzentrationsarbeit aus, bei der man gut alles um sich herum vergessen kann. Und dann noch ein tolles Ergebnis! Bin gespannt, was du mit den Knöpfen machst. Lg. Susanne

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