Wintermantel Sew-Along: Fortschritt

Mein Wintermantel Sew-Along (hosted vom MeMadeMittwoch) geht schleppend voran. Ich habe derzeit kaum Zeit für etwas anderes als meine Arbeit. Den zweiten Termin habe ich ausgelassen, weil es nichts zu berichten gab, aber heute zeige ich Euch, wie ich die neue Kapuze entwickelt habe.

Die vielen unterstützenden Kommentare zum ersten Bericht über den nie getragenen Wintermantel mit der viel zu großen Kapuze haben mir sehr bei der Entscheidung geholfen, was ich wie umändern möchte, um den Mantel häufiger zu tragen.

Kapuze: Mit oder ohne Kragen?

Manche Kommentatorinnen schlugen zum Thema Kapuze vor, doch einen Stehkragen anzunähen wie beim Quart Coat (Foto dazu im letzten Beitrag) und die Kapuze zusätzlich dranzunähen. Ich habe noch einen blauen Mantel, den ich ebenfalls aussortiert habe weil er nicht mehr passt. Bei diesem Mantel ist die mit Futterstoff gefütterte Kapuze in der Kragen-Naht mit angenäht, wie vorgeschlagen. Diese Kapuze sitzt gut und hält auch mit Haube drunter gut. Sie ist nicht zu eng und nicht zu weit, eigentlich genau richtig für meinen Geschmack.

blauermantel_collage

blauer Mantel, aussortiert

Ich habe mich dann aber doch dazu entschieden, die Kapuze des beigen Mantels nach vorne in einen überlappenden Kragen auslaufen zu lassen. Ich trage Mäntel eigentlich ausschließlich mit einem Schal oder Loop um den Hals, und ich möchte, dass dieser Schal unter der Kapuze Platz hat und ich ihn nicht drüber tragen muss. Zunächst habe ich also die Kapuze vom Mantel abgetrennt, und damit ich besser arbeiten kann, das Innenfutter im Nacken aufgetrennt.

vorher-nachher-kragen-collage

Kragen vorher – ohne Kragen nachher

Um zu einem Schnitt für die Kapuze zu kommen, bin ich folgendermaßen vorgegangen (und alle Profi-Schneiderinnen mögen mir verzeihen, falls das völlig unprofessionell ist und man das eigentlich ganz anders macht!):

Die kostenlose Kapuzen-Erweiterung der Else von Schneidermeistern beinhaltet eine Variante für einen tiefen Ausschnitt. Kapuzen aus drei Teilen (mit einem Mittelstreifen) gefallen mir aber besser, deshalb habe ich auf den Elsen-Schnitt einen Seitenteil der jErika-Kapuze gelegt und abgezeichnet. (Von der ich schon weiß, dass mir die Form gut passt.) Und um den Verlauf der vorderen Überlappung der neuen Kapuze zu bestimmen, habe ich dann noch die abgetrennte Kapuze des Mantels oben drauf gelegt und deren Verlauf am Papier nachgezeichnet.

Diesen ersten Entwurf habe ich mit gelbem Kopierpapier und einem Schneiderrädchen auf einen alten, weißen Baumwollvorhang durchgepaust, die Teile geheftet und die Probekapuze mit Stecknadeln am Ausschnitt befestigt. Bei der Anprobe hat die Kapuze von der Höhe des Scheitels her schon ganz gut gepasst, aber an den Seiten zu sehr geschlackert. Daher habe ich etwas Weite rausgenommen, indem ich die Seiten eingeschlagen und mit je einer Stecknadel fixiert habe. Danach die Kapuze wieder abgenommen, auf den Probeschnitt gelegt und die verbesserte Form nachgezeichnet. Und noch eine zweite Probekapuze angefertigt: Die passt jetzt gut. Diese werde ich aus dem Originalstoff doppelt zuschneiden und wieder dran nähen. Das ist der nächste Schritt bis zum nächsten Treffen des Sew-Along. (Wo ich dann vielleicht doch einmal pünktlich dabei bin…)

Verschluss: Taille, Gürtel und Knöpfe

Ich habe die Gürtelschlaufen abgetrennt und werde den Mantel ganz ohne Gürtel tragen. Wenn er so auf meiner Schneiderpuppe hängt, finde ich ihn auch tailliert genug. Ich habe mir kurz überlegt, ob ich ein bisschen Weite aus den hinteren Teilungsnähten an den Schulterblättern rausnehmen soll (die mit meinen Maßen eingestellte Schneiderpuppe hat mir gezeigt, dass der Mantel da ein bisschen weit ist), aber ich glaube ich lasse es einfach so, wie es ist. Normalerweise trage ich eine weitere warme Jacke drunter, und da ich auch im Winter fast ausschließlich mit dem Rad unterwegs bin, kommt mir die Bewegungsfreiheit bei den Armen gelegen.

beigermantel_02_von-hinten_beschriftetIch werde noch zwei weitere Knöpfe anbringen (insgesamt sind das dann 6), die Knöpfe gehen dann bis zur Taille runter wie bei meinem blauen Mantel. Falls es noch zu weit klafft, werde ich zusätzlich vielleicht noch einen verdeckten Knopf oder Druckknopf anbringen.

beigermantel_01_von-vorne_beschriftetDie Länge bleibt

Ich bin noch am Überlegen, ob ich den Mantel um ca. 15 cm kürze, er wäre dann eher eine Jacke. Aber wenn die Kapuze kleiner ist, werde ich ihn jedenfalls schon mal tragen und über den Winter ausprobieren, ob es noch weitere Änderungen braucht.

Die anfänglichen Überlegungen, den Schnitt des Quart Coat in die Änderungen mit einzubeziehen, haben mich ein bisschen blockiert. Ich wollte das Schnittmuster in einem Copy Shop ausdrucken lassen (es hat seine Vorteile, in einer Universitätsstadt zu leben!), aber das im englischen Schnittmuster des Quart Coat enthaltene Format ist größer als A0. Ich hätte die Datei umformatieren oder neu aus A4-Blättern zusammensetzen müssen, und das war mir dann alles doch zu mühsam. Einen Quart Coat nähe ich mir ein andermal.

Aber jetzt verlinke ich mich noch schnell beim dritten Termin des Me Made Mittwoch, bevor alles zu spät ist, und schaue mal, wie weit die anderen so sind.

Die Termine des Winter-Mantel Sew Along 2016:
25.09. Inspiration (am MMM-Blog) — (bei mir)
09.10. Stoff und Schnitt (am MMM Blog) — (habe ich ausgelassen)
23.10. Fortschritt (am MMM Blog) — (heute bei mir)
06.11. Futter und letzte Schritte (am MMM-Blog) — (habe ich ausgelassen)
13.11. Das große Finale! (am MMM-Blog) — (bei mir)

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12 comments

  • Wow, du bist ja richtig gut vorwärts gekommen!
    Und zeigst Ausdauer mit dem Nähen von Probekapuzen, die sich gewiss sehr bald auszahlt mit einer perfekt passenden Kopfbedeckung aus dem Orginalstoff! Prima.
    Ich würde sogar 8 statt nur 6 Knöpfe machen, aber ein verdeckter untendrunter ist gewiss auch geschickt.
    Gürtel finde ich an Mänteln eh immer komisch – Bademantellook… Die Armfreiheit würde ich auch lieber lassen, das wirst du gewiss nicht bereuen.
    Danke für deine tollen Schritt-für-Schritt-Fotos und den Bericht, falls ich auch mal über ein ähnliches Problem stolpere, weiß ich, wo ich das Ganze noch einmal nachlesen kann.

    Bin gespannt, wie der Mantel am Ende aussieht, auch wenn ich es mir dank deiner Probekapuze schon recht gut vorstellen kann.

    Liebe Grüße,
    Maria

    • Dank Dir für den Zuspruch, liebe Maria! Ich habe zur Sicherheit eh 8 gleiche Knöpfe mitgenommen und kann noch kurzfristig entscheiden. Wenn vorne nur 6 drauf kommen (wie geplant), werde ich die restlichen zwei zur Zierde an die Ärmel nähen. Ich bin auch gespannt, wie’s im Endeffekt wird und hoffe, ich hab mich nirgends verrechnet. Morgen ist Feiertag, den möchte ich zum Nähen nutzen. lg, Gabi

  • Hallo Gabi!

    Ich bewundere Deine Geduld bei der Anpassung der Kapuze an Deine Vorstellungen. Ich glaube ich hätte da schon beim zweiten Mal aufgegeben.

    Meist bin ich mit selbst genähten Kleidungsstücken nicht so zufrieden, deshalb nähe ich meist nicht so gerne für mich selbst etwas. Außer Upcycling, das mache ich schon gerne.

    Heute hatte ich wieder einmal meine Upcycling-Tunika an, obwohl doch gar nicht mehr Sommer ist.

    Guten Start in die neue Woche!

    lg
    Maria

    • Naja, Geduld. Ich suche mir halt häufig Projekte aus, bei denen ich grübeln muss. Das geht halt dann nicht schnell, aber langsam führt auch zum Ziel. lg, Gabi

  • Gudrun

    Na, das sieht ja wirklich klasse aus! Toll, wie du das so nach deinen Vorstellung hinkriegst. Die Sache mit der Probekapuze ist offensichtlich ziemlich hilfreich. Und zwei weitere Knöpfe statt des Gürtels scheinen mir den ganzen Mantel tatsächlich viel stimmiger zu machen. Rundherum gelungene Änderungen würde ich mal sagen. Viel Spaß und Erfolg beim weiteren Bearbeiten.

  • Liebe Gabi,

    Deine Überlegungen haben Hand und Fuß. Die Länge würde ich nicht kürzen, da er nur locker mit den Knöpfen geschlossen wird. Sonst fährt der Wind nachher von unter drunter. Bin gespannt, wie Deine ganzen Änderungen und die Kapuze hinterher aussehen werden und ob Du ihn dann tatsächlich lieber und öfter tragen wirst.

    LG Mareike

  • Liebe Gabi,
    bei diesem Projekt war das „Anfangen“ vermutlich das Schwierigste. Dieses Überwinden, etwas abzutrennen und dann auch noch nicht sicher wissen, ob es gelingt?
    Die neue Kapuze sieht schon sehr viel besser aus, bye bye Imperator. Und ob man so eine Kapuze konstruiert – pff, Hauptsache es passt. Ich brauche ja keine Kapuze, das stört mich immer so, wenn die Haare länger sind und aufsetzen tu ich sie eh nie. Lieber eine Mütze. Der eckige Ausschnitt ist ja schon groß, da hast Du echt schon gut konstruiert.
    Hast Du die Jacke noch länger zugesteckt wie Du sie zuknöpfen willst? Ich hätte so rein spontan noch eine Reihe Knöpfe hingemacht (also insgesamt 8), aber das ist zum Fahrradfahren vielleicht nicht so geschickt?
    Hoffentlich kommst Du mit deiner Arbeit gut weiter, die besten Wünsche dafür!
    Liebe Grüße
    Ines

    • Liebe Ines, da hast Du völlig Recht. Mir den Ruck zu geben, nach dem Nahttrenner zu greifen, im Bewusstsein, dass das alles auch ganz schön daneben gehen könnte… Aber es braucht häufig einfach diesen Ruck und dann das Tun (mit ein bisschen Sicherheitsnetz, in diesem Fall: Nicht sofort den richtigen Stoff anschneiden sondern zuerst Probekaputzen) und im Tun und durch das Tun wird es dann einfach gut.
      Ich hatte im Geschäft beim Knöpfe kaufen auch ausprobiert, wie es mit einer weiteren Reihe aussieht (sprich 8 Knöpfe): nicht so gut. Vielleicht nähe ich noch einen verdeckten großen Druckknopf an, den ich bei Bedarf schließen kann.
      Arbeit: Es ist derzeit so unheimlich viel zu tun! Aber ich will nicht jammern. Lieber die Kraft sparen und eines nach dem anderen schön langsam abarbeiten. Schritt für Schritt. lg, Gabi

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