Noch zwei Sommerblusen

Ich packe meinen Koffer…

Heute ist das letzte Mal Me Made Mittwoch vor der Sommerpause, unter dem Motto „Ich packe meinen Koffer“. Ich habe heute meine Kinder mit dem Zug zu Oma und Opa begleitet, und in meinen Koffer (eigentlich: in meine Reisetasche) mussten unbedingt die beiden Blusenshirts, die ich aus den schönen indischen Stoffen von karlottapink nach dem Schnitt von Lillesol und Pelle genäht habe.

2016-07-27 Bahnhof Graz

Am Grazer Bahnhof

Als erste Bluse nach diesem Schnitt habe ich ja die Blätterbluse genäht. Der Schnitt passt mir ausgezeichnet, und mit diesen herrlich luftigen Stoffen aus feiner Baumwolle ergibt das einfach die perfekte Sommerkleidung für mich. Vor allem, weil ich die Bluse als Kleidungsstück für mich entdeckt habe. Bei mir wird es in Zukunft definitiv mehr Blusen und weniger Shirts im Kleiderschrank geben.

(Dazu auch bald mehr im Post über die Stilberatung. „Stil“, nicht „stillen“. 😉 — Die gelbe Bluse hat die eine oder andere vielleicht schon letzte Woche gemeinsam mit der braunen Strickjacke gesehen.)

Bahnfahrt_Gabi-schaut-aus-dem-Fenster_kl

Häkeln im Zug. Fotografin: die Tochter (!)

Diese beiden, die gelbe und ihre rote Blusen-Schwester, haben mich aber ziemlich gefuchst. Den Stoff habe ich bei Ines karlottapink am Schneiderei-Markt in Wien erworben und bei der Alles Näht in Korneuburg mit dem Zuschneiden begonnen. Also eigentlich schon während der Entstehung zwei echte Reise-Blusen. In Korneuburg beim Zuschneiden habe ich festgestellt, dass ich für die rote Bluse ca. 30 cm zu wenig Stoff gekauft hatte. (Weil wir hatten zwar bedacht, dass der Stoff nur 110 cm breit liegt, ich hatte aber trotzdem zu knapp gekauft. Geizig? Ich? Leider ja.) Also habe ich Stoff nachbestellt. Obwohl der Stoff in ihrem deutschen Lager nicht mehr vorrätig war, hat das Ines, die sympathische Inhaberin von karlottapink, sehr nett und rasch abgewickelt und mir sogar den Nachschlag von einem halben Meter kostenlos geschickt – vielen herzlichen Dank!

Bahnfahrt-Landschaft-Obersteiermark

Obersteiermark

Zunächst habe ich also die gelbe Bluse ohne Ärmel (wie hier bei Ines Nähzimmerplaudereien gesehen) fertig genäht. Ich hatte mir zunächst eingebildet, dass ich für den Armausschnitt kein Schrägband fabrizieren muss sondern einfach umschlagen und absteppen kann. Falsch. Die Ärmelausschnitte wurden viel zu weit und unförmig, gewährten seitliche Einblicke. Also nochmal aufgetrennt und zähneknirschend doch Schrägband zugeschnitten. Und damit der Armausschnitt kleiner wird, habe ich spontan auch seitlich Weite rausgenommen. Leider zu viel. Jetzt ist die Bluse gerade die Spur zu eng und spannt um den Busen. Ich sag’s Euch… Das mit dem Schnittmuster Anpassen muss ich noch üben.

Blusenshir_gelb_Collage

Dazu passend habe ich noch einen alten Pullover zur Jacke umgewandelt, einen gelben. Die Auswahl der Knöpfe für mehrere Projekte gleichzeitig (manche kennen das Foto schon von Instagram) aus der bunten Knopfkiste war die helle Freude.

Knoepfe_Collage

Knopfschätze aus der Knopfkiste, bunter Zwirnknopf von Feiner Faden.

Die zweite Bluse mit rotem Print sollte eine ganz normale Dreiviertelarm-Variante – wie in der Anleitung vorgesehen – werden. Da ich zu wenig Stoff gekauft hatte, fehlten am unteren Ende des Rückenteils ca. 10 cm, die wollte ich mit dem nachgekauften Stoff stückeln. Kürzer nähen wollte ich die Bluse keinesfalls. Aber der nachbestellte Stoff hatte einen anderen Grund-Farbton: nicht gelblich sondern rein weiß. Und bei geschenkten Stoffen ist schwer reklamieren?

roteBluse_CollageIch sag jetzt mal: Das gehört so. Sogar der Sohn meint, es sähe interessant aus. (NICHT ironisch gemeint.) Was habe ich hin und her überlegt, wie ich es am besten machen soll. Kragen, Manschetten (die ich noch nicht drangenäht hatte) und ein Stückchen am Bund hinten UND vorne mit weißem Grundton? Oder mit einem Rest gelb bedrucktem Stoff stückeln? Oder ganz anders? Ich konnte mich nicht entscheiden, die Bluse wurde zwischenzeitlich zum UFO. (Auf die Idee, noch einmal ein komplettes Stück Stoff für einen komplett neuen Zuschnitt zu bestellen, bin ich nicht gekommen. Geizig? Ich? Leider ja.)

Wie ihr sehen könnt, habe ich die Bluse dann einfach fertig genäht. Was mich freut: Dass sie (nachdem sie auch super in mein Farbschema passt) so gut mit meinen Lieblingsjacken zu kombinieren ist.

roteBluse_mitJacken_Collage

Dann habe ich mich an ein Experiment von Mila erinnert, die mit Tee und Kaffee einen Pilz eingefärbt hat, zusätzlich habe ich bei Textile Ideen einen etwas ausführlicheren Artikel zum Färben mit Tee gefunden. Wieso eigentlich nicht die ganze Bluse ein bisschen nachfärben? Zu Testzwecken habe ich mehrere Stoffstreifen unterschiedlich lang in einem Sud aus einem Teelöffel Schwarztee (Ostfriesen Spezial, wer’s genau wissen will) und einem Schuss Essig ziehen lassen und sie nach dem Trocknen einmal zur Probe bei 40 Grad gewaschen, um die Farbechtheit zu prüfen. Ein Streifen hat sich in der Waschmaschine versteckt und wurde unabsichtlich zwei Mal gewaschen, einmal davon bei 60 Grad. Der ist jetzt wieder so gut wie originalfarbig. Die Teefarbe wurde nach dem Waschen gräulich-bräunlich, das finde ich für meine Zwecke jetzt nicht so toll, es sollte heller und gelblicher sein. Vielleicht starte ich noch einen Färbeversuch an Stoffresten mit stark verdünnter gelber Stofffarbe.

Blusenshirt_Karlottapink_rot_Faerben_nachher_Vergleich

Färbe-Experiment mit Tee: Die linken Stoffstücke waren vorher weiß, die rechten leicht gelblich. Das dritte Stoffstück von links (es ist heller) wurde zwei Mal gewaschen.

Derzeit tendiere ich aber fast dazu, die rote Bluse genau so zu lassen, wie sie ist, mit weißen Manschetten.

Was würdet Ihr tun? So lassen? Einfärben? Neu nähen?

Ich wünsche dem Me Made Mittwoch eine schöne Sommerpause. Ich selbst habe noch ein paar Posts in der Pipeline, die jetzt bald raus müssen, aber ab Mitte August wird es auch bei mir etwas ruhiger. Schöne Tage für Euch!

Das ist drin

  • Schnitt/ Anleitung: lillesol women No. 6 Blusenshirt Webware in Größe S
  • Material: indische Blockprintstoffe, handbedruckte und direkt gehandelte Baumwolle von karlottapink. Den Stoff habe ich ursprünglich selbst gekauft beim Schneiderei-Markt in Wien, die Nachlieferung bekam ich geschenkt.
  • Verbrauch: Der Stoff liegt 110 cm breit, für eine Bluse mit Dreiviertelarm sollte man schon ca. 2 Meter rechnen, mit etwas Puffer
  • Kurzwaren: Knöpfe aus einer Nachlass-Knopfschachtel, gekauft bei der Caritas; Zwirnknopf gekauft bei Feiner Faden, ebenfalls am Schneiderei-Markt; dünnes no-name Bügelvlies zur Verstärkung des Kragens;
  • Änderungen: gelbe Bluse ärmellos genäht, dafür die Armausschnitte etwas verkleinert und mit selbst gebügeltem Schrägband versäubert; rote Bluse nach Anleitung
  • Werkzeug: Nähmaschine, Overlock
  • Kosten: ca. 25 Euro pro Bluse
  • Arbeitszeit: ca. 4,5 Stunden pro Bluse, von Zuschnitt bis Fertigstellung

Verlinkt bei

20 comments

  • Hallo,
    ich bin ganz begeistert von der Bluse, finde sie richtig interessant gestaltet. Verfolge schon einige Zeit deinen Blog und er gefällt mir richtig gut. Habe mir jetzt auch das Schnittmuster gekauft von der Bluse und werde jetzt im Urlaub meine erste Bluse nähen. Viele liebe Grüße aus dem hohen Norden Deutschlands aus Schleswig-Holstein (Nähe dänische Grenze). Sigrid

    • Das freut mich immer sehr, wenn eine „stille Leserin“ sich mal zu Wort meldet, und dann noch mit so tollem Feedback! Danke! Die Anleitung für die Bluse ist sehr gut geschrieben und bebildert, du wirst dich denke ich gut zurechtfinden. Nur dass der Kragen ein bisschen mit dünnem Bügelvlies verstärkt werden sollte haben sie nicht angeführt, das würde ich an Deiner Stelle machen, wenn Du einen Steh- und nicht Liegekragen haben möchtest. Viel Spaß und Erfolg beim Nähen der Bluse! Dann muss ich in nächster Zeit mal bei Dir vorbeischauen und gucken, was du Feines produziert hast. Liebe Grüße, Gabi

  • ich find ja bei deinen blogposts immer gleich mehrere sachen faszinierend. zum einen deine hingabe. beim nähen wie beim blogpost schreiben. ich bewundere, wie sorgfälltig du nähst, wie du dir dinge überlegst und dann für uns dokumentierst. auch die verschiedenen farbkombis mit den westen find ich nett. vor allem in bezug auf deine farbtypberatung in die du uns ja hast einblicken lassen. da hab ich fast das gefühl ich wär bei dir auf besuch und du kämst jedes mal aus dem zimmer und wir überlegen, was am besten passt! sehr sympathisch.
    was die blusen anbelangt. die Stoffe sind ein traum. und ja ich verrechne mich da auch immer wieder. und noch schlimmer ich schaffe es dann auch noch bei einem ohnehin nicht ausreichendem stoff mich zu verschneiden. *lol*
    aber ich find du hast es gut gelöst. und ich würd es wahrscheinlich einfach so lassen. aber so würd ich das machen und ich weiß, du gibst dich nicht so leicht geschlagen. noch was, das mich fasziniert!!

    danke für den netten beitrag und schönen urlaub!!
    andrea

    • Liebe Andrea, jetzt war ich kurz sprachlos: So viele Komplimente auf einen Haufen! Ich verneige mich und bedanke mich. Wenn Du aus meinen Blogposts Hingabe und Sorgfalt herausliest und Dich fühlst, als wärst Du bei mir zu Besuch, dann ist das so ziemlich das schönste Feedback, das ich mir wünschen kann. Ich weiß im Moment gar nicht, wie ich Dir das zurückgeben könnte. Aber ich nehme deine Rückmeldung jetzt einmal dankbar an und hüte sie wie einen kleinen Schatz. Ganz herzliche, leicht verlegene aber glücklich strahlende Grüße von mir!

  • Gudrun

    Na, da brauche ich ja nicht mehr großartig viel zu schreiben 😉 Ich schließe mich einfach der allgemeinen Meinung an, denn ich finde auch, dass die rote Bluse durch den andersfarbigen Stoff erst so richtig interessant wirkt. Toll, wenn man sich soetwas selbst machen kann! Hut ab.
    Ich wünsche dir und den Deinen eine tolle, erholsame „Auszeit“.

    • Doch Gudrun, unbedingt Kommentare schreiben! Das ist so ein bisschen wie bei Wahlen: Jede Stimme zählt! 😉 Ich freue mich über jeden Kommentar riesig. Es geht für mich beim Bloggen zu einem ganz großen Teil ums Kommentieren und Meinungen Austauschen. Also: Danke für Deinen Kommentar! Er bestärkt mich darin, die rote Bluse so zu lassen wie sie ist.

  • Hach, toll sind die Blusen geworden. Und auch hier definitiv „Team Lassen“, weil die Akzente wirklich sehr hübsch aussehen. Andere machen so was mit Absicht! 😉

  • Hallo Gabi, also die Stoffe von karlottapink sind wirklich toll. Leider hab ich mir selbst noch nie einen gekauft, muss ich bald mal nachholen. Also ich würde die rote Bluse auch unbedingt so lassen. Die „Akzente“, die du da gemacht hast, sind wirklich toll, auch wenn zuerst nicht wirklich geplant 🙂 Ich hätte viel zu viel Bedenken, dass es beim Einfärben nicht gleichmäßig bzw. so wird, wie du dir das vorstellst. Ich bin gespannt, wie du dich entscheidest. LG, Esther

    • Hallo Esther, also: Ich mache jetzt ganz freche (und unbezahlte) Werbung für karlottapink, weil ich Ines, die Geschäftsführerin, beim Schneiderei-Markt in Wien kennengelernt habe und sie ganz großartig und unterstützenswert finde. Sie ist früher viel gereist und bezieht die Stoffe direkt, ohne Zwischenhändler, von Leuten die sie kennt. Das schafft bei mir viel Vertrauen in ihre Produkte. Sie hat auch einen Versand aus Deutschland eingerichtet, weil die Portkosten aus der Schweiz nach EU exorbitant sind. Tolle Stoffe aus Afrika, Indien, Zentralasien, Australien, Japan… Ich finde es lohnt sich, in diese Stoffe zu investieren. Nur zu, bin gespannt, was Du zaubern wirst! lg, Gabi

  • Ich würde die rotgemusterte Bluse auch so lassen – ich hätte viel zu viel Sorge, dass es mit Nachfärben trotz Tests vorher doch nicht so wird, wie man sich das gedacht hat. Die Lösung mit den helleren Manschetten und dem hellen Streifen hinten finde ich nämlich sehr originell, im guten Sinne – es sieht wirlich so aus, als wäre das von Anfang an so geplant gewesen.

    • Danke Dir vielmals für Deine Einschätzung! Es bestärkt mich, dass hier doch viele der Meinung sind, das mit den weißen Teilen wäre gar nicht so schlecht. Ich habe mir auch extra Mühe gegeben, dass das Muster vom Rückenteil im Streifen genau fortgesetzt wird. Und je länger ich sie betrachte, desto besser gefällt mir vor allem die Rückenansicht. Noch ein paar Tage und ich habe mich so daran gewöhnt, dass ich es gar nicht mehr anders haben möchte.

  • Beide Blusen sind toll geworden, ich mag das Muster sehr. Ich würde die rote Bluse auch so lassen, ich finde die weißen Akzente nicht schlimm, sondern machen sie erst interessant (ja, das ist wirklich das passende Wort dafür). Mir wäre das Risiko mit dem färben hier ehrlich gesagt zu hoch.

    Viele Grüße, Goldengelchen

    • Vielen lieben Dank für Deinen Kommentar! Ich hatte die rote Bluse gestern den ganzen Tag an, und sie ist genauso herrlich zu tragen wie die andere, die Blätterbluse. Ich würde ja auch nicht die ganze Bluse sofort färben, sondern erst an einem Probestoff ausprobieren, wie es wird. Genau um dieses Risiko zu minimieren. Liebe Grüße, Gabi

  • Ines

    Hallo Gabi, die Blusen sehen toll und so richtig nach Sommer aus. Ich habe mir vor Wochen nach dem Schnitt nochmals eine Bluse genäht und habe Bilder von der Schrägbandeinfassung am Armloch gemacht. Doch ich kam noch nicht zum Schreiben. Bei mir passt der ganz normale Armausschnitt, bei diesem Schnitt muss ich nichts enger oder weiter machen ( bei der ärmellosen Else dagegen etwas enger). Ich hoffe, ich komme demnächst zum posten, ich bin gerade gesundheitlich nicht in der Lage… Liebe Grüsse Ines

    • Danke für die Rückmeldung, liebe Ines! Ich freue mich auf Deinen Post mit der Beschreibung des Armausschnittes, da kann ich sicher wieder was abgucken. In der Zwischenzeit wünsche ich Dir gute Besserung! (Vielleicht könenn Dich Deine Jungs ein bisschen verwöhnen? Die haben jetzt in den Ferien eh nichts Besseres zu tun, oder? 😉 ) Liebe Grüße, Gabi

  • Sehr schön sind beide Blusen und genau richtig für den Sommer. LG Kuestensocke

  • Das sind sehr schöne Blusen! Ich würde die rote Bluse so lassen, die „Stückelungen“ sind klasse! Viel Spaß damit! LG Ulli

Kommentar verfassen