Ein schneller Teppich

Bunte Rechtecke

Dass mein Bruder hin und wieder Möbelstoff-Muster vorbeibringt, die sonst weggeworfen würden, wisst ihr schon. Nach und nach entstehen gerade verschiedene Sachen aus diesen Stoffen. Den Anfang macht heute ein „schneller Teppich“.

Seit dem endgültigen Dahinscheiden unseres altgedienten, gestreiften Ikea Flur-Teppichs (adäquaten Ersatz zu finden ist mir nicht gelungen), waren die Familienmitglieder immer häufiger mit bereits angezogenen Schuhen „noch schnell“ ins Wohnzimmer oder in die Küche gelaufen, um etwas Vergessenes zu holen. Über Teppich darf man bei uns zu Hause nicht mit Straßenschuhen gehen, aber wenn kein Teppich da ist, fehlt die Hürde, und der Schmutz von den Schuhen verteilt sich in der Wohnung…

Letztens habe ich den Möbelstoff-Stapel zu meinem Nähtisch geschleppt, zum Gustieren. Kennt Ihr das? Mir geht’s im Stoffgeschäft regelmäßig so: Da sehe oder befühle ich einen Stoff, es macht: „Zack!“, und ich habe ein genaues Bild vor mir, was aus diesem bestimmten Stoff entstehen könnte. So war das auch mit den weichen Stoffstücken aus meinem Haufen, die sich anfühlen wie ein flauschiger Badezimmerteppich.

Möbelstoff-Muster sind ja schon alle auf dieselbe Größe zugeschnitten (ca. 40×50 cm), und haben Löcher reingestanzt, an denen sie zur Ansicht und zum Blättern in Mappen abgeheftet werden. Außerdem sind sie bereits mit einem durchsichtigen Nylonfaden rundherum versäubert. Ich habe die Stoffstücke also mit der Idee „Teppich“ auf den Boden gelegt und wie ein Puzzle herumgeschoben, bis mir die Farbkombination gefiel.

Ich wollte die Stoffstücke zuerst Kante an Kante zusammennähen, habe sie dann aber überlappend hingelegt, um die Löcher zu verstecken. Dann habe ich die am Boden liegenden Stoffe möglichst glatt mit Stecknadeln zusammengesteckt (dabei laufend mit dem Maßband nachgemessen, damit alles gleich breit und lang wurde). Anschließend habe ich mit einem durchsichtigen Nylonfaden und einer dicken Nadel jeweils vier Stoffstücke im Zickzackstich auf der Nähmaschine zusammengenäht. Meine Nadel- und Fadenstärke haben anscheinend nicht gut zusammengepasst, deshalb hat der Zickzackstich manchmal ausgesetzt. Das macht aber nichts, durch den durchsichtigen Faden sieht man auf der rechten Seite gar nichts davon. Die kleinen quadratischen Löcher, die jeweils in der Mitte frei geblieben sind, habe ich noch mit orangenem Stoff in einer anderen Stoffqualität hinterlegt und diese ebenfalls festgenäht. Dann die drei entstandenen großen Quadrate überlappend zusammengenäht, noch eine Anti-Rutsch-Matte unter den Teppich gelegt und fertig.

Ich habe insgesamt nicht mehr als drei Stunden gebraucht, weil ja kein Zuschneiden, kein Tüfteln und keine aufwändigen Nähte notwendig waren. Und jetzt heimse ich von BesucherInnen Komplimente für unseren tollen neuen Teppich ein. 🙂 Oft ist ja weniger mehr – das gilt für diesen Teppich ganz bestimmt. Und ich freue mich jedes Mal beim Drübergehen über das flauschig-weiche Gefühl unter meinen nackten Füßen.

Ich habe solche grafische Muster einfach gern. Vor ein paar Tagen bin ich über „pojagi“ oder „jogakbo“ (koreanisches Patchwork) gestolpert und habe Stunden auf Pinterest verbracht:

Sooo viele schöne Sachen und so wenig Zeit… *seufz*

Zutaten für den Teppich:

  • dicke Stoffreste bzw. Möbelstoff-Muster
  • Nähgarn, am besten (farbloses) Nylongarn
  • eine dicke Nadel für die Nähmaschine (100 oder 110, Jeans oder Leder), eine dünnere Nadel würde wahrscheinlich brechen
  • eine Anti-Rutsch-Matte zum Drunterlegen (bekommt man in jedem Möbelgeschäft), damit man nicht mit dem fertigen Teppich ausrutscht.

Verlinkt bei Creadienstag, Happy Recycling und Kopfkino.

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