Carmen ohne Spanien

Hallo, hier Lemming!

Also Carmenshirts nach Rosa P. hat man im vergangenen Sommer doch nun wirklich schon genug gesehen, oder? Aber nein: Ich, hier, ebenfalls Lemming. Und bevor es wirklich, wirklich kalt wird, möchte ich doch gerne noch die beiden Exemplare zeigen, die ich genäht habe: Ein Shirt und ein Kleid mit einem Hauch von Sommer.

Bei der Blogtour zum Buch „Näh Dir Dein Kleid“ von Rosa P. hat mit das Kleid von Kathrin Naadisnaa mit der hübschen Stickerei um den Ausschnitt so gut gefallen, und dann hat Danie Prülla einen Carmenausschnitt nach dem anderen runtergenäht (zum Beispiel Kleid hier und Shirt hier). Dann sah ich auch noch ein oder zwei Carmenshirts beim Nähtreffen im Juli, und da konnte ich nicht anders, der Herdentrieb hat voll zugeschlagen.

Stoff gekauft, zugeschnitten, genäht, Ratz-Fatz. Etwas verwirrt war ich, weil ich beim Kauf nicht darauf geachtet hatte, dass der gestreifte Stoff ein Sommersweat ist. Ist jetzt nicht sooo luftig, wie ich dieses Shirt gern gehabt hätte, aber dafür kann ja der Stoff nichts. Eher diejenige, die ihn ausgesucht und für dieses Projekt vorgesehen hat. (Ich nämlich ganz allein selbst.)

Ich habe das Shirt tatsächlich praktisch den ganzen Sommer lang fast ununterbrochen angehabt. Hier waren wir in… (ratet mal):

carmenshirt_pisaMarmorsäulen, südliche Sonne… Richtig: Italien. Genauer gesagt Pisa.

carmenshirt_pisa_fotobombing Wo wir uns zwischen geschätzten zehntausend anderen Touristen ebenfalls vor dem schiefen Turm abgelichtet haben und meine Kinder jedes zweite Bild gefotobombt haben.

(Es ist unglaublich, wie viele Menschen den Turm entweder "abstützen" oder "umstoßen", perspektivisch natürlich...)

(Unglaublich, wie viele Menschen den schiefen Turm perspektivisch „stützen“ oder „umstoßen“.)

Ich bin määächtig stolz, dass sich die Streifen von Oberteil und Passe jeweils ziemlich exakt an den Seiten treffen! UND ich habe mir das ganze Gequirks mit der Doppelnadel gespart, und auch das mit dem angeblich „dehnbaren“ Dreifach-Geradstich, der bei meiner alten Nähmaschine immer nur dazu führt, dass der Stoff total ausgedehnt wird. Ich habe die Säume einfach mit ganz normalem Geradstich und Stichweite 4 abgesteppt. Das hat den ganzen Sommer lang gut gehalten.

carmenkleid_stoff_klUnd dann brauchte ich ein Kleid für eine Familienfeier. Ich, die ich normalerweise nie Kleider trage. Und auch selten Röcke. (Obwohl: In diesem Sommer hat sich da Einiges geändert.) Ein weich fallendes, dunkelblaues Kleid mit einem feinen, unscheinbaren Muster schwebte mir vor. Elegant. Bei meiner Tour durch sämtliche Grazer Stoffgeschäfte (für eine Online-Bestellung war ich leider zu spät dran) fand ich aber keinen solchen Stoff. Nirgends. Da habe ich in meiner Not einen zumindest in den Farben zu mir passenden no-name Viskosejersey mit buntem Chevron-Digitaldruck eingepackt. So ganz überzeugt bin ich noch immer nicht davon, aber für die Feier war es gut. Und der Schnitt passt mir und das Kleid ist bequem. Der relativ schwere Stoff hat sich ein bisschen ausgehängt, das Rockteil könnte jetzt noch ein paar Zentimeter kürzer sein.

(Danke Janine und Elke für unsere gemeinsame Fotosession letztes Wochenende bei der haendmeid in Graz, und dass ich Eure Fotos verwenden darf!)

Am Buch von Rosa P. scheiden sich die Geister. Ich habe schon an mehreren Orten Kritik über das Buch gelesen: Es sei unübersichtlich, es sei kompliziert geschrieben. Jaaaa… ich fand es auch teilweise etwas seltsam. Z. B. dass man erst die Nähte nähen und dann versäubern soll, wird immer wiederholt. Wenn man eine Overlock hat entfällt das natürlich, und dann kann man auch getrost nur 7 mm Nahtzugabe anstelle der empfohlenen 15 mm zuschneiden. Außer beim Ausschnitt des Carmenshirts, da sollte man bei den angegebenen 2 cm Nahtzugabe bleiben, sonst bekommt man Probleme.

Aber die Kritik von einigen, dass die Schnitte nicht passen würden, kann ich persönlich nicht bestätigen. Im Gegenteil, wie auch Meike von Crafteln nicht müde wird zu betonen: Normalerweise muss JEDER Schnitt an den eigenen Körper angepasst werden. Es ist ein regelrechtes Wunder, wenn ein Schnitt auf Anhieb passt. Mir passen die Schnitte aus dem Buch gut, ich habe trotzdem Anpassungen vorgenommen, die Passe verbreitert zum Beispiel. Wenn man ein bisschen Näherfahrung und Hausverstand mitbringt, finde ich das Buch einen guten Baukasten, der viele Variationsmöglichkeiten eröffnet: Mit verschiedenen Ausschnittformen, mit oder ohne lange, dreiviertel oder kurze Ärmel und mit verschiedenen Rockweiten. Ein weiteres Kleid und ein Shirt habe ich schon zugeschnitten, sie werden aber wahrscheinlich auf den Frühling warten müssen, bis ich sie nähe. Da freue ich mich schon auf den nächsten Sommer! Aber erst warten hier ein paar Herbstprojekte auf ihre Verarbeitung.

Das ist drin

Schnitt/ Anleitung: „Näh Dir Dein Kleid“ von Rosa P. (selbst gekauft). Ein Mal Carmenoberteil in Größe M (Passe verlängert) und ein Mal Carmenoberteil mit breiter Passe und weitem Rock.

Material: pfirsich-weiß gestreifter Bio-Sommersweat von „Majapuu“ (Finnland), gekauft bei der Stoffprinzessin; bunter no name Viskosejersey (93% Viskose, 7% Elasthan) mit digital gedrucktem Chevron-Muster, wenig nachhaltig gekauft bei Happy Home Graz.

Verbrauch: Für das Kurzarm-Shirt hat ein Reststück mit 80 cm Länge (bei 150 Breite) gereicht. Für Dreiviertelarm wären abhängig vom Muster mindestens 100 cm nötig, für ein Langarm-Shirt mindestens 120 cm. Für das Kleid habe ich 2 Meter vernäht.

Änderungen:

  • Ich habe nicht 1,5 cm Nahtzugabe zugeschnitten sondern nur die üblichen 7 mm, außer am Ausschnitt, dort 2 cm.
  • Ich habe nicht erst genäht und dann versäubert (wie im Buch beschrieben) sondern in einem Arbeitsgang mit der Overlock.
  • Hüftpasse um 18 cm nach unten verlängert für die Shirtversion; 16 cm für das Kleid, weil es bei meinen Proportionen besser aussieht, wenn die Naht auf der Hüfte sitzt.

Fazit: Mir passen die Schnitte sehr gut. Ein Lieblingsshirt und ein Kleid mit Potenzial sind entstanden. Das Buch ist gut für bereits etwas Näh-Erfahrene mit Hausverstand.

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14 comments

  • Hallo Gabi,
    also den bunten Stoff find ich ganz toll, wenig nachhaltig hin oder her. Bei der Wahl von Stoff und Wolle hab ich da zugegeben so meine Schwierigkeiten damit.
    Das Kleid steht dir auch super, das solltest du auf alle Fälle öfter tragen.

    Liebe Grüße, Daniela

    • Hallo Daniela,
      Ich hab mich ehrlich gesagt im Nachhinein geärgert, dass ich den Stoff mitgenommen habe. Es ist immer noch nicht in meinem Kaufverhalten angekommen, dass ich eigentlich nur mehr und ausschließlich Bio- und faire Stoffe kaufen vernähen möchte, wenn es sich irgendwie einrichten lässt. Spontankäufe sind dafür ganz schlecht… Meist braucht es Recherche und längerfristige Planung. lg, Gabi

  • Hallo, jetzt schaffe ich es endlich mal dein Shirt bzw. dein Kleid zu kommentieren. Mein Favorit ist die Nr. 1 und diese Lachsfarbe (jaja, hab grad gelesen, wie du „rosa“ mehrfach korrigiert hast) gefällt mir sehr gut (an dir), trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob dich dieses Lachsfarbe in Kombination mit weißen Streifen nicht blass macht!?! Nur, ohne es von dir zu wissen, hätte ich diese Farbe für dich nicht ausgesucht. Frag aber bitte nicht wieso. Spannenden Idee, dass du einfach die Passe verlängert hast, um daraus ein Shirt zu kreieren. Darüber werde ich auch mal nachdenken. Ich hab mir ja auch schon ein Teilchen genäht, aber zu mehr hat mir bis jetzt die Zeit nicht gefehlt. Dieses Baukastensystem gefällt mir persönlich recht gut, aber für mich war meine erstes Kleid zu stark körperbetont (auf gut deutsch: es pickt mir zu stark am Körper) und das stört mich bzw. da muss ich noch schauen, wie ich das nächste Kleid optimieren könnte (irgendwann einmal nach den nächsten zig Nähprojekten( und ich finde die 1,5cm Nahtzugabe eigentlich auch nicht schlecht, wenn man eventuell später noch was korrigieren möchte. Danke fürs Zeigen deiner Varianten, immer wieder eine Inspiration. Lieben Gruß, Esther

    • Hallo Esther, ja, du hast ja Rech: Lachs in Kombi mit Weiß ist ein bissl aus dem Fenster gelehnt, aber es ist mir egal. 🙂 Manchmal muss ich ein bisschen ausbrechen aus „meinen“ Herbst-Farben. Dass mir Lachs steht, war eine der „Entdeckungen“ bei der Farbberatung. Die Passen-Verlängerung hab ich vorher bei mehreren anderen gesehen, es war also leider nicht meine eigene Idee. Aber in letzter Zeit verlängere ich prinzipiell alle Shirt-Schnitte auf die Länge, die am besten zu meinen Proportionen passt. Dank Dir für Deinen lieben Kommentar! Vielleicht klebte Dir das letzte Kleid aufgrund des Stoffes zu sehr am Körper? Oder die Schnitte sind einfach körperbetonter und du magst es lieber legerer? Wie auch immer, bin schon gespannt auf Deine weiteren Kreationen, immer wieder schön, sich inspirieren zu lassen. lg, Gabi

  • K didit

    Das Foto mit deinen fotobomb-Kindern ist einfach herrlich 😂! Dir stehen beide Stücke ausgezeichnet, wobei ich versucht bin zu sagen, dass rosa nicht ganz so sehr deinem Farbtupfer entspricht….. aber du verzauberst sowieso mit deinem strahlenden Lächeln!
    Lg kathrin

    • Hallo Kathrin, das ist kein Rosa! Mein Sohn sagt auch immer: „Ich dachte, Dir steht Rosa nicht!?“ Das Shirt ist lachsfarben. Und Lachs „darf ich“… 🙂 (Aber eigentlich: Selbst wenn es Rosa wäre… So what. Trag ich halt einmal im Leben freiwillig Rosa. 🙂 ) lg, Gabi

  • Ich weiß immer nicht was nachhaltiger ist, lokale Geschäfte unterstützen, auch wenn sie dann eben nichts in Bio-Fairtrade-supercool haben, oder online bestellen und dann auch noch die Postangestellten im Geschäft halten. Und da denke ich wirklich so viel darüber nach, dass ich eine Masterarbeit ohne Conclusio darüber schreiben werde… 😛
    Sehr witzige Bilder aus Pisa. Und irgendwie sieht Graz auf anderer Leute Blog auch immer exotisch und nach Urlaub aus… Oh, da war ich auch schon mal. 😛

    • Ich denke am nachhaltigsten ist es, lokale Geschäfte zu unterstützen, die Bio-Fairtrade-Supercool haben und diejenigen, die das (noch) nicht haben, dahin zu bringen, dass sie es ebenfalls führen. 😉 So à la: Macht der Konsumentinnen. Diese Masterarbeit möchte ich dann gerne lesen! 🙂
      Du weißt ja sicher: „Graz ist da, wo der Süden beginnt“, und für ganz viele Leute auch ein lohnendes Urlaubsziel. Ganz besonders liebe ich unsere Wohnstadt ja an lauen Sommerabend, wo sie dieses wunderbare südliche Flair hat… *seufz* Aber jetzt wird’s erst mal neblig-kühl. lg, Gabi

  • Näherfahrene mit Hausverstand… *lach* Ja, der Hausverstand macht manchmal Pause, so spät am Abend z.B. 😀

    Beide Teile stehen dir wiedermal ausgezeichnet, rosa passt perfekt zum Sommer und das Kleid in den Herbst finde ich. Meinen virtuellen Hut ziehe ich vor deiner Genauigkeit was die Streifen angeht, sehr beeindruckend!

    Hab ein schönes Wochenende,
    glg
    Claudia

  • Hallo Gabi,
    mitten im Temperatursturz nochmals Sommerbilder! Da kommt nochmals richtig Urlaubsstimmung auf.
    Ich habe jahrelang mit 1,5 c, Nahtzugabe und erst nachträglicher Versäuberung genäht. Das ließ Spielraum für Anpassungen. Erst durch das jetzige „moderne“ Nahen schneide ich auch weniger Nahtzugabe. Bei Webware erscheint mir 0,7 cm aber oft zu wenig, da nehme ich gerne mehr. Diese oft 2 cm Nahtzugabe konnte ich auch immer schlecht nach Augenmaß schneiden. das war viel mühseliger. Jetz nehem ich einen knappen cm, das geht eben viel schneller als das Anzeichnen der Nahtzugabe.
    Dein Ringelshirt sieht klasse aus, und Sommersweat war vielleicht gar keine so schlechte Wahl. Heiß wurde es ja erst gegen Ende des Sommers.
    Ist das Kleid an der Hüfte zusammengesetzt? Oder ist da ein extra Streifen eingefügt. Da war dein Stoff nicht sehr dankbar mit seinem Muster, aber man sieht deine Mühe mit dem Zusammenpassen..
    Hast Du schon mal Zickzack für Säume ausprobiert? Oder welche Stiche hat deine Maschine sonst noch? Bei Sommersweat, der sich ja kaum dehnt, ist das mit einem Geradstich sicher gut.
    Liebe Grüße
    Ines

    • Ja, bei den Bildern werde ich ganz wehmütig. Ich mag zwar auch den Herbst gern, sogar den kalten, nebligen Spätherbst, aber den Sommer mag ich lieber. Mit deinen Überlegungen zu den Nahtzugaben bringst du einen interessanten Punkt ein: Wenn mehr Nahtzugabe drin ist, kann das Kleidungsstück eventuell auch veränderten Körpermaßen angepasst werden und ist dadurch länger tragbar! Also bei Jersey ist das durch die Dehnbarkeit des Materials ja nicht unbedingt nötig, aber bei Webstoffen durchaus. Vielleicht berücksichtige ich das in Zukunft einfach! Mit der Overlock geht’s halt schnell und ist auch sehr bequem, aber gerade dadurch entsteht meines Erachtens häufig so eine „fast fashion“ Mentalität: Das Shirt ist ganz schnell genäht, und wenn es mir nicht mehr gefällt, näh ich mir schnell wieder ein neues… Und früher wurde ein Dirndl als Alltagskleidung weiter gemacht und dann wieder weitergegeben und enger gemacht…
      Das Kleid besteht aus drei Abschnitten (das ist im Baukasten-System des Buches so vorgesehen): Oberteil (geht bis unter die Brust), Passe (mehr oder weniger breit, hier bis zur Hüfte) und Rockteil (in unterschiedlich weiten Ausführungen). Das ist ganz fein so, weil man nach den individuellen Bedürfnissen eben die Passe verlängern oder verbreitern kann. Kathrin nadisnaa hat bei ihrem Kleid zusätzlich vorne eine Raffung eingebaut, die raffiniert das kleine Bäuchlein kaschiert. 🙂 Das Chevron hat das Rockteil ein bissi schwierig gemacht, das stimmt, aber ich hatte nicht genug für einen 6-Bahnen-Rock; da würde das Muster seitlich nicht so „hängen“. Aber es ist ok.
      Zickzack für Säume find ich nicht so gut, ich mag’s lieber gerade. Meine Maschine hat sonst keine weiteren Stiche…
      lg, Gabi

  • Oja, die stehen die beide ausgezeichnet und anscheinend fühlst du dich auch darin wohlst. Das strahlst du zumindest aus, und das ist ja das wichtigste! Dann kann ja jetzt auch der nächste Sommer kommen und bis dahin entspringt vielleicht noch das ein oder andere Kleidchen deiner Maschine.
    (Konntest du mit dem Feedback, das ich dir geschickt hatte, was anfangen…? Ansonsten melde dich gerne nochmals.)
    LG. Susanne

    • Liebe Susanne, danke für Deinen Kommentar zum Kleid und entschuldige: Ich antworte auf dein Feedback heute im Laufe des Tages. (Sind leider andere Dinge dazwischengekommen.) lg, Gabi

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